Kategorie: Roman (Seite 1 von 17)

Andrea Camilleri: Die Revolution des Mondes (2013)

Historisierende Komödie um eine Frau als Vizekönigin Siziliens

Es gibt nur wenige historische Überlieferungen über Donna Eleonora di Mora, die als Frau des verstorbenen spanischen Vizekönigs Siziliens die Insel 27 Tage regieren durfte. Aus dieser Vergessenheit befreit Andrea Camilleri die historische Anekdote in diesem Buch. Wenn die Angaben in seinem Nachwort stimmen, hat er sich mehr an die historische Realität gehalten, als der Leser zunächst vermutet. Es ist natürlich trotzdem recht frei, und Camilleri hält in diesem Buch dem Machismo und der katholischen Kirche unserer Tage den Spiegel vor.

Die Geschichte ist relativ flach, die Charaktere einseitig: Hier die schöne und kluge Donna Eleonora, dort die gaunerhaften Männer bzw. die schwachen und dummen Männer. Nur an zwei Stellen erlaubt sich Camilleri, Donna Eleonora menschliche Züge abseits eines Klischees zu verleihen: In dem Moment, wo sie Rache als ihr Motiv nennt, und durch ihren Leibarzt korrigiert wird: Nein, ihre Güte sei es. Und durch ihre Neugier als Frau (interessant, dass die Abweichung vom Klischee der perfekten Frau durch ein anderes Klischee geschieht).

Die Geschichte ist ebenfalls sehr geradlinig und thematisch einseitig. Es geht um Zwangsprostitution und Kinderschänder, und dass die Gauner geschickt zur Strecke gebracht werden.

Aber es ist eine gelungene Komödie, die den Leser immer wieder zielsicher zum Schmunzeln bringt. Und als Komödie, als Theaterstück, und weniger als Roman, hätte dieses Stück sicher Erfolg. Als Roman jedoch ist es etwas flach geblieben. Deshalb keine volle Punktzahl.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 05. November 2018)

Harry Turtledove: Give Me Back My Legions! – A Novel of Ancient Rome (2009)

Disappointing

The novel „Give me back my legions“ by Harry Turtledove is disappointing. The author concentrates on the psychology of the two main characters Varus and Arminius, which starts to repeat after a while. Besides this the author forgets a lot of other important things. For example I would have liked to see how Arminius managed to bring together the different Germanic tribes to common action.

From a historical or novelist point of view the book is less than moderate. The novel ends with emperor Augustus reducing his plans to conquer Germany, but the fate of Arminius (murdered) and his wife and child (captured) is not part of the novel. Why? This is an integral part of this part of history! Just another disappointment.

What was more interesting is the description how different cultures cannot cope with each other and fall into systematic misunderstandings on each other without escape. This could teach us something. Funny was Varus‘ statement that Germans and Jews are the most stubborn peoples in the Roman empire.

Bewertung: 2 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 24. März 2013)

Herbert Rosendorfer: Deutsche Suite (1972)

Destruktive, zynische, ekelhafte Satire auf Nachkriegs-Bayern

Das Buch beginnt damit, dass eine junge Adelige auf einer Party von Tiermedizinstudenten zunächst reihum mit jedem Studenten kopuliert, zuletzt aber auch noch mit einem Schimpansen aus der tiermedizinischen Abteilung. Nachdem sie schwanger ist, fürchtet Ihre Familie, zu der auch das bayerische Königshaus gehört, allen Ernstes, dass ein Halbaffe geboren würde, der dann den Adelstitel tragen würde. Deshalb wird eine Scheinhochzeit arrangiert. En passant erfährt man, dass die Monarchie in Bayern 1918 gar nicht abgeschafft worden wäre, sondern angeblich bis heute fortbestünde. Ab Seite 34 liest man dann nicht mehr weiter, sondern überfliegt nur noch kurz die Seiten, die da noch kommen, um allüberall seine Vorurteile über dieses Buch bestätigt zu bekommen, die man auf den ersten 34 Seiten gebildet hatte. Sogar die Sprache des Buches ist schlecht, oft gestelzt und umständlich.

Es geht in dieser Satire nur um grenzdebile Monarchisten, um Nazis, und schließlich um NPDler. Daraus setzt sich dieser Satire zufolge die „deutsche“ Gesellschaft zusammen. Die Satire ist zynisch, destruktiv, ekelhaft und lächerlich überzogen. Wenn die Gesellschaft wirklich so wäre, könnte man auch gleich ganz an ihr verzweifeln. Doch es soll ja immer noch eine Satire sein, also zum Lachen, aber man weiß eigentlich nicht so recht, worüber man da lachen soll. Es wird auch nirgendwo klar, was denn der Autor selbst für sich und sein Land will. Diesem Werk nach zu urteilen, hasst der Autor sein Land so sehr, dass er es einfach nur komplett in die Tonne kloppen will. Es stellt sich auch sehr die Frage, warum dieses Machwerk den Titel „Deutsche Suite“ trägt. Denn es geht im Wesentlichen um Bayern.

Dieses Machwerk ist nur erklärbar, wenn man dem Autor einen dicken Knoten im Hirn unterstellt. Da hat irgendein unaufgeklärter linker Depp seinen ganzen vorurteilsbeladenen Rotz und Kotz über „Deutschland“ ausgekübelt, und dabei gar nicht bemerkt, dass er damit mehr über sich selbst als über „Deutschland“ verrät. Man hat Hitler, wohl mit Recht, einen nekrophilen Charakter zugeschrieben, der – ohne sich darüber im Klaren zu sein – zielsicher auf Untergang, Tod und Verderben zusteuerte. Der Autor dieses Buches ist auf demselben Weg.

Der einzige Grund, sich mit diesem Buch zu befassen, wäre ein zeithistorisches Interesse an der Stimmungslage der BRD im Jahre 1972. Wie es möglich war, dass ein solches Buch geschrieben und gelesen wurde. Es muss sehr viele dumme, destruktive und nekrophile Menschen gegeben haben, damals, zur Hochzeit des Wahns von anno 68.

Aus Rezensionen und Artikeln über den Autor und sein Buch erfährt man, dass mit dem allzu behaarten Affennachkömmling der Adelsfamilie der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel gemeint sein soll. Sehr befremdlich. – Außerdem lebte der Autor gerne selbstwidersprüchlich: Während er als Richter Skifahrer abkanzelte, fuhr er selbst gerne Ski, und während er meinte, man könne nur in München leben, ist er selbst von München aufs Land gezogen. Verstehen muss man das nicht. Verstehen muss man nur, dass es hier nichts zu verstehen gibt.

Bewertung: 1 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 04. September 2020)

Otto Blümel: Hermann Hesses Indienreise (1911)

Köstliche Verballhornung von Hermann Hesse mit humorig-höherer Weisheit

„Dies ist alles leicht beschreiblich,
aber mir ist es nicht gläublich“,
sprach Herr Hesse zum Kaffee
(immer noch am Bodensee).
„Nicht der Druckerschwärze trauen,
sondern selber gehn und schauen
scheint mir rechten Mannes Art.“

Im Jahr 1911 machte sich Hermann Hesse auf nach Indien, und sein Freund Otto Blümel führte zum Abschied ein kleines Schattenspiel mit selbstgedichteten Versen auf. Die Dichtung und die dazu gehörigen Schattenbilder sind erhalten und in diesem gut organisierten Büchlein zusammen mit einem hilfreichen Nachwort abgedruckt.

Hermann Hesse wird ordentlich auf die Schippe genommen! Das Klischee des Theoretikers, der in der praktischen Welt scheitert, wird bemüht. Hesse wird von einem Walfisch verschluckt und landet auf einer einsamen Inseln mit wilden Eingeborenen. Indien wird nicht erreicht, und an die Erlangung indischer Weisheiten ist gar nicht zu denken.

Und so war es auch in Wirklichkeit: Hesse war gar nicht in Indien, sondern nur in Ceylon, Sumatra und Singapur. Dann musste er die Reise abbrechen, weil er den „Kolonialfraß“ nicht mehr vertrug. Hier hat die Realität wieder einmal die Satire eingeholt.

Höhepunkt und Pointe der Dichtung ist der Häuptling der Eingeborenen auf der einsamen Insel, der sich als Malergeselle aus Radolfzell am Bodensee entpuppt und Hermann Hesse überraschend im Radolfzeller Dialekt anspricht. Hier deutet sich die Weisheit an, dass man in der Fremde vor allem sich selbst und die Liebe zur eigenen Heimat findet.

Die Schattenbilder zeigen Hermann Hesse als hagere Gestalt mit Strohhut, Brille und Schmetterlingsnetz. Es ist fast ein modernes Mem für den weltfremden „theoretischen Typ“. Der Häuptling-Malergeselle berichtet unbekümmert, dass er sich selbst am ganzen Körper mit schwarzer Farbe angemalt hat, um bei den Eingeborenen als ihresgleichen durchzugehen: Blackfacing pur! Auf diese Weise ist dieses Werk von Otto Blümel zugleich eine erfrischende Erholung von dem kranken Geist des Postkolonialismus und seiner postmodernen Idiotien.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Tibor Rode: Das Mona-Lisa-Virus (2017)

Leider nur ein mittelmäßiger Thriller

Diesmal leider nur ein mittelmäßiger Thriller von Tibor Rode. Noch dazu mit kleinem esoterischem Einschlag. Nein, es ist nicht gerade schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Insofern dann eben doch eher schlecht.

Gut ist wieder die Grundidee: Diesmal walzt Tibor Rode das Thema Schönheit aus. Bei „Das Los“ hatte das Auswalzen eines Themas ziemlich gut funktioniert. Diesmal blieb das Thema jedoch flach und ungreifbar. Es war einfach zuwenig Theorie und Geschichte dahinter. Und zuwenig Verbindung der Geschichte mit der Gegenwart.

Es gibt sogar einen unlogischen Aspekt, den eine gute Recherche verhindert hätte: Die Schönheit der Mona Lisa soll ein Werk des Teufels sein. Nun ist aber nach antiker Tradition das Schöne zugleich auch das Gute. Es passt einfach nicht.

Gut war die Idee mit der Neuroästhetik. Aber es wurde vieles nicht ausgeführt. Weder, dass für die Herstellung der Mona Lisa Mädchen sterben mussten (ähnlich wie in „Das Parfüm“; nur angedeutet), noch dass die Bilder für Neuroästhetiker sprechen können (am Ende behält die Protagonistin es für sich, und es folgt nichts aus den Botschaften der Bilder für die Handlung).

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 06. Oktober 2018)

Thomas Gifford: Assassini – Der Vatikan-Thriller (1990)

Etwas quälende Story mit geringem Ertrag an Spannung, Bildung, Aufklärung

Thomas Giffords „Assassini“ ist ein Vatikan-Thriller, der lange Zeit vor Dan Browns Illuminati erschien und deshalb auch nach ganz anderen Regeln funktioniert. Im Zentrum steht kein uraltes Geheimnis, das zu erforschen wäre, sondern eine Priester-Connection aus dem Zweiten Weltkrieg, deren alte Verbindungen und Rivalitäten Jahrzehnte später zu einer Serie von Morden führt. Die Assassini aus dem 16. Jahrhundert haben dafür kaum mehr als ihren Namen beigesteuert, ihre Einbeziehung in die Story wirkt sehr aufgesetzt.

Der Roman ist auch wesentlich langatmiger als man es von heutigen Romanen gewohnt ist, die Geschichte entwickelt sich eher gemächlich. Die Protagonisten hangeln sich auch kaum selbst von Hinweis zu Hinweis, sondern kommen eher durch Zufälle mit ihren Recherchen voran, oder durch lange Monologe von Zeitzeugen. Es nervt besonders, dass ein Kapitel oft genau in dem Moment abbricht, in dem ein weiteres Stück des Geheimnisses gelüftet wird, so dass der Leser für eine ganze Weile weniger weiß als die Protagonisten des Romans – auf diese Weise baut sich eher Ärger als Spannung auf.

Auch die Story selbst erscheint ein wenig gekünstelt und unwirklich: Dass der Vatikan im Zweiten Weltkrieg nichts besseres zu tun hatte, als sich mit den Nationalsozialisten die Beutekunst zu teilen, ist kaum glaubwürdig; auch das Schema von Papst Pius XII. als Nazi-Papst ist so nicht haltbar.

Der Roman hat nur eine einzige nützliche und aufklärerische Wirkung: Man sieht Priester, Nonnen, Kardinäle und einflussreiche gläubige Laien als ganz normale Menschen denken und handeln und realistisch unfromm sein, und verliert so – sofern man gläubig ist – ein Stück weit die falsche Ehrfurcht und das falsche Vertrauen, das Gläubige der Kirche und ihren Repräsentanten häufig entgegen bringen. Man lernt ein wenig zweifeln und fragen, auch wenn die Story selbst leider zu dick aufgetragen ist, um gläubige Menschen überzeugend ansprechen zu können.

Fazit

Eine etwas quälende Story mit wenig Ertrag an Spannung, Bildung und Aufklärung.

Bewertung: 2 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon ca. 26. Juni 2011; heute dort verschwunden)

Michael Klonovsky: Land der Wunder (2009)

Ästhetisch unakzeptabel: Enttäuschung von diesem Autor

Nachdem ich den „Ramses-Code“ vom selben Autor gelesen hatte, griff ich zum „Land der Wunder“. Ein Fehlgriff. Das Buch ist im Gossenstil der „Idiot“-Bücher geschrieben, offenbar, um ein breites Lesepublikum zu erreichen. Man muss auch solche Bücher einmal gelesen haben, um über unkultiviertes Denken und Empfinden unterrichtet zu sein – aber einmal reicht völlig.

Diesmal habe ich – was ich sehr selten tue – die Lektüre abgebrochen, und zwar an der Stelle, wo der Held der Geschichte besoffen auf der Toilette seiner Freundin einschlief und vom Nebenbuhler den Hintern abgewischt bekam, welcher tags darauf mit Freundin vor dem Erwachenden steht, in Unterhosen, den Geruch von Sperma u.a. verbreitend. Das ist es, was von diesem Buch bleibt, und das muss man sich nicht geben.

Nach kurzem Überfliegen des Endes (die Freundin und überzeugte Sozialistin wurde zur Prostituierten und stirbt an Krebs) war ich mit dem Buch fertig.

Bewertung: 1 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 23. Mai 2015)

Dave Eggers: Your Fathers, Where Are They? And the Prophets, Do They Live Forever? (2014)

Great plot lost to an unexpected theme

The plot of this book is a great idea: A young man kidnaps several persons who played a role in his upbringing, his mother, a teacher, a congressman, a policeman, an astronaut, and forces them to answer those questions he always wanted to be answered.

Don’t we all want to have answers from certain persons from our past? Why did they act like they acted? What did they really think? Our parents, teachers, etc.?

This book could have been a great story, if it concentrated on the big questions in the heart of everybody.

The problem is: The book is not about these big questions, and the young kidnapper is not everybody. The book is about fatherless young men. Partly non-white. And their problems. And troubles with the police which makes use of guns far to quickly. And drug-addicted mothers. This is interesting, too, but it disappoints the expectation.

Therefore the title: „Your fathers where are they?“ And the young man killed by the police far too quickly considered himself to be a prophet, therefore the title „and the prophets, do they live forever?“ First you think, these are some of the questions the young kidnapper will ask his victims, yet these questions never appear in all the book.

The dialogue as literary form is well-applied in this book, this made it worth reading, too.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 15. August 2015)

Tibor Rode: Das Los (2014)

Richtig gute Story technisch nicht optimal umgesetzt

Tibor Rode kann gute historische Stoffe finden und sie auch gut für einen Roman aufbereiten. Das hat er hier wieder gezeigt. Das Thema Glück und Spiel wird literarisch gelungen aufbereitet, anhand der preußischen Lotterie von Friedrich dem Großen und dem modernen Pokerspiel.

Aber bei der technischen Umsetzung zeigen sich weiterhin Mängel: Die verschiedenen Handlungsstränge fangen erst nach 2-3 Stunden Hörzeit (Hörbuch) an, sich zu verknüpfen. Das ist zu lange. Und da fängt die Zusammenführung ja erst langsam an! Das endgültige Zusammenführen der verschiedenen Handlungsstränge geschieht erst kurz vor Schluss!

Allerdings hat das Buch einen völlig überraschenden und schönen Schluss, der einen wieder versöhnt. Lesen lohnt, der Leser sollte aber wirklich bis zum Schluss die Hoffnung aufrecht erhalten, dass sich das Buch wider Erwarten doch noch rundet.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 24. Januar 2016)

Heinz Helle: Die Überwindung der Schwerkraft (2018)

Unausgeführte literarische Versuche, die kein Ganzes ergeben, und wenig hell sind

Dieses Buch ist ein Torso. Es hat lauter unzusammenhängende Kleinigkeiten darin, die literarisch oder inhaltlich von Wert sind: Zunächst ein endloser psychedelischer Strom von Assoziationen und Rückblenden, teilweise im Suff. Dann die literarische Gestaltung des Redens im Suff (Marmeladow in Dostojewskis Schuld und Sühne bleibt aber unerreicht). Sehr interessant die Idee, dass die Sprache durch ihren Klang Trost und Sicherheit spendet, und weniger durch ihre Inhalte. In diesem Sinne könnte der psychedelische Strom von Assoziationen in diesem Buch als beruhigendes Dauermurmeln für den Leser interpretiert werden.

Inhaltlich werden zahllose aktuelle Themen angerissen, insbesondere in der Oberflächlickeit des Suffs, aber dann bekommen die Themen häufig doch noch einen Drive in größere Tiefe. Aber immer nur angedeutet. Und das ist zu wenig. Die Brüderbeziehung ist hingegen eher klassisch: Auf der einen Seite ein Schwärmer und Idealist, der vieles anfängt und nichts zu Ende bringt, eine verletzliche und empfindliche Natur, die hysterisch auf die Probleme der Welt reagiert, geistig meist an der Oberfläche verbleibt und Küchenphilosophie betreibt, sich schwer in soziale Zusammenhänge einordnet, Erfolg bei den Frauen hat, aber keine dauerhafte Beziehung zustande bringt, und schließlich dem Alkohol verfällt. Auf der anderen Seite der eher nüchterne, rationale Typ, zurückhaltend und deshalb auch robuster, der Dinge zu Ende führt und tiefer in die Gedanken eindringt (z.B. Panpsychismus). Zwei Welten treffen aufeinander. Neu ist das aber nicht.

Schließlich der Tod als Thema. Die Trauer. Die Erinnerung. Die Banalität des Todes. Trost durch den Erzählstrom der Worte, ohne dass es auf Inhalte ankäme. Wie das Gutenachtlied für Kinder. Nein, das ist alles nicht überzeugend. Ich hätte z.B. gerne gehört, ob der Panpsychismus in der Lage ist, Trost zu spenden. Oder ob der Bruder, der sich sein Leben selbst schwer gemacht hatte, sein Leben tapfer und tugendhaft gelebt hat, und ob das Trost spenden kann. Aber nichts davon.

Und all das wird nicht zu einem größeren Ganzen integriert.

An einer Stelle blieb eine Dummheit stehen, die sauer aufstößt. Es geht um die Deutschen unter dem Nationalsozialismus, Zitat: „… die Einwohner jenes Landes in der Mitte des Kontinents, deren Eltern das Zerstören und Töten, das später auch die eigenen Kinder traumatisierte, ja überhaupt erst in Gang gesetzt hatten, durch offene Zustimmung oder mangelnden Widerstand“ (S. 166).

Dass es unzulässig ist, ein ganzes Volk für eine Diktatur in Haft zu nehmen, wusste schon Thukydides, und dass die Athener von dieser Weisheit später abkamen, hatte Thukydides mit großer Klarheit als deutlichstes Zeichen des moralischen Verfalls erkannt. Hinzu kommt die unsägliche Leichtigkeit, mit der es heute üblich geworden ist zu sagen, man hätte bitteschön gefälligst Widerstand leisten sollen, ansonsten wäre man eben schuldig. Ich muss kein Buch gut finden, das mir solche Dummheiten vorsetzt. Die Menschen heute scheitern ja bereits daran, ihre Vereinnahmung durch den Zeitgeist überhaupt zu erkennen, geschweige denn, dass sie Widerstand leisten würden, obwohl man heute dazu weit weniger Mut benötigt, als damals. Bücher sollten ihre Leser aufklären und nicht zur Verwirrung beitragen.

Fazit

Dies ist ist ein Trümmerhaufen von einem Buch. Aus den verkohlten Resten der Ruine kann ein findiger Lumpensammler zwar Kleinigkeiten von Schrottwert herausziehen, mehr aber nicht. Der Titel ist Programm: „Die Überwindung der Schwerkraft“. Ein hehres Versprechen, von dem aber jeder weiß, dass das gar nicht geht. Damit ist dieses Buch völlig programmgemäß an seinem eigenen Anspruch gescheitert.

Bewertung: 1 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 17. Juli 2019)

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