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Uwe Neumahr: Das Schloss der Schiftsteller – Nürnberg ’46 – Treffen am Abgrund (2023)

Der Prozess, die Journalisten und die Frage nach der Schuld der Deutschen

Uwe Neumahr hat ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit geschrieben. Das eigentlich Interessante des Buches ist aber gar nicht der Nürnberger Prozess und das Presselager im Faber-Schloss. Dieses vordergründige Thema wird sehr ordentlich abgearbeitet. Nach einem Überblicksartikel zum Presselager folgen weitere Kapitel, die jeweils eine Journalistenpersönlichkeit und parallel dazu den Fortschritt des Prozesses besprechen. Dieses Darstellungsverfahren ist recht gut gelungen.

Der Prozess

Die Beschaffung von Beweisdokumenten war offenbar besonders schwierig, da viele Akten vernichtet oder in Bombenkellern ausgelagert waren. Manche Unterlagen waren auch im sowjetisch besetzten Teil Europas und damit praktisch unzugänglich. Es galt die Regel, dass alle Beweisdokumente vollständig vorgelesen werden mussten, was den Prozess langwierig und langweilig machte. Der Nürnberger Prozess war auch eines der ersten Großereignisse, die simultan gedolmetscht wurden. Die Organisation der Dolmetscher ist ein Thema für sich in diesem Buch.

Wir begegnen den Angeklagten: Vor allem Göring, der arrogant auftritt und alle Schuld von sich weist. Allen Ernstes sagte er, dass Hitler und er keine Ahnung gehabt hätten, wie wörtlich die SS den Befehl zur Endlösung nahm. Der US-Chefankläger scheitert schließlich an der Chuzpe von Göring. Dann der überzeugte Nazi Otto Ohlendorf, der als Führer von Einsatzgruppen hinter der Front rund 90.000 Menschen ermordete. Rudolf Hess blieb verschlossen und wurde teilweise für verrückt gehalten. Er bereute nichts. Der Hitlerjugendführer Baldur von Schirach fiel bei Hitler in Ungnade, weil er sich Juden und Osteuropäern gegenüber zu milde zeigte. Schirach behauptete, er habe keine Ahnung von den Vorgängen in den Lagern gehabt: Bei einem Besuch in einem Lager sei ihm ein Potemkinsches Dorf vorgeführt worden. Beobachter des Prozesses, die selbst in einem NS-Lager einsaßen, bestätigen, dass das tatsächlich der Fall gewesen sein könnte. Auch das Rote Kreuz wurde auf diese Weise getäuscht. Albert Speer schließlich bekam mildernde Umstände, weil er einer der wenigen war, der Hitler offen sagte, dass der Krieg verloren war und der Maßnahmen gegen die sinnlose Vernichtung von Produktionsstätten ergriff.

Am 29.11.1945 wurde im Prozess der Film „Nazi-Konzentrationslager“ vorgeführt, der drastische Bilder zeigte. Um die Reaktion der Angeklagten beobachten zu können, wurden die Anklagebänke während der Vorführung beleuchtet. Alle zeigten sich schockiert.

Im Verhör der Zeugen sticht die Person des österreichischen Generals Erwin von Lahousen heraus, der als Mitarbeiter von Canaris dem Widerstand angehörte und einer der wenigen Überlebenden des Widerstandes war. Lahousen legt als einziger umfassend und glaubwürdig Zeugnis ab von den verbrecherischen Vorgängen in der NS-Staatsführung. Zeuge ist auch Joseph Diels, ein wahrer Fouché in der Zeit des Nationalsozialismus, der aus Opportunismus 1933-36 Gestapochef wurde, bevor man ihn wegen Kompetenzstreitigkeiten wieder absetzte.

Alle Verhöre des Nürnberger Prozesses können auf Youtube im Original angehört werden. Unbesprochen bleibt die Zeugenaussage von Rudolf Höß, dem Lagerleiter von Auschwitz, der genau beschreibt, mit welchen Maßnahmen die Vernichtung der Juden geheim gehalten wurde.

Am Rande erfahren wir, dass Graf Roland Faber, in dessen Schloss das Presselager untergebracht war, kein Nazi war. Er verweigerte sogar die Erschießung von Juden. Seine Ehefrau Alix-May wurde als jüdisch angefeindet, da sie der Bankiersfamilie Oppenheim entstammte. Die zweite Ehefrau von Faber, Katharina, stammte aus der Familie Sprecher von Bernegg aus der Schweiz, wo es deutlich rechtslastige Bezüge gab. Mit Joseph Diels ging sie eine Affäre ein. – Bei einer Begegnung mit Willy Brandt verharmloste die Herzogin von Sachsen-Coburg ihren Ehemann Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha (1884-1954), obwohl er ein Wegbereiter Hitlers war: Ab 1929 unterstützte er die NSDAP offen, rief 1932 zur Wahl Hitlers statt Hindenburgs zum Reichspräsidenten auf, und trat 1933 in die NSDAP ein. Seine Mitgliedschaft verlieh der Partei Ansehen auch im Ausland, er übernahm zahlreiche Ehrenämter im NS-Staat.

Einige der Journalisten beim Nürnberger Prozess sind auch unabhängig davon berühmte Persönlichkeiten, so z.B. Ernest Hemingway, Willy Brandt oder Markus Wolf. Es ist spannend, sie unter der Perspektive des Nürnberger Prozesses zu betrachten. Ein Nebenthema ist die Emanzipation der Frau zur damaligen Zeit, denn einige der Journalisten waren Frauen.

Die Schuldfrage

Die Frage nach der Schuld der Deutschen ist das heimliche Hauptthema des Buches. Denn alle diese Journalisten und Schriftsteller, Richter und Ankläger, Beobachter und Kommentatoren hatten eine Meinung zu diesem Thema. Immer wieder kommt das Buch auf diese Frage zurück, und es ist extrem spannend zu sehen, wer aus welchen Gründen welche These zur Schuld der Deutschen vertrat.

Dieses Thema ist hochaktuell und von größter Wichtigkeit. Denn noch immer hadern die Deutschen mit dem Nationalsozialismus. Noch immer wird dieses Thema für politische Zwecke missbraucht, meistens von Links, oder allzu schnell abgetan, meistens von Rechts. Die Aufarbeitung dieser Vergangenheit hat schweren Schaden genommen, denn sie hat sich einseitig entwickelt und hat selbstzerstörerische Züge angenommen.

Ulf Poschardt stellt in seinem 2025 erschienenen Buch „Shitbürgertum“ die Diagnose, dass das Unwesen des linken Shitbürgertums seinen Anfang bei Menschen nahm, die im Nationalsozialismus schuldig geworden waren und sich nach dem Krieg in heuchlerischer Weise zu moralischen Instanzen in Sachen Nationalsozialismus aufschwangen und ihre Mitmenschen mit dem Schuldvorwurf drangsalierten. Das vorliegende Buch gibt dem Leser eine hervorragende Gelegenheit, diese Schuldfrage noch einmal ganz frisch zu durchdenken, und zwar anhand der Meinungen, die unmittelbar nach 1945 existierten.

Sachfehler

Auf S. 37 wird Göring als „zweiter Mann im Führerstaat“ bezeichnet. Das ist falsch. Der zweite Mann nach Hitler war eindeutig Goebbels, und nach Goebbels Himmler. Von Göring witzelte die deutsche Bevölkerung, dass er gar nicht kapieren würde, was Hitler will.

Auf S. 117 heißt es, Wilhelm Emanuel Süskind, der Vater des Bestsellerautors Patrick Süskind, hätte eine Schuld der Vielen abgelehnt, wohl auch, um seine eigene Identität nicht hinterfragen zu müssen. Das ist unlogisch. Als Verstrickter, der er war, hätte es genau umgekehrt sein müssen.

Auf S. 229 heißt es, US-Soldaten hätten in Dachau eine Wachmannschaft erschossen, die nur als Ersatzmannschaft vor Ort war und gar nicht verantwortlich für die Zustände im Lager war. Dazu scheint es eine Debatte zu geben, die vom Autor nicht genügend berücksichtigt wird.

Fazit

Ein sehr lesenswertes Buch, das sein Thema nicht nur ordentlich aufarbeitet, sondern darüber hinaus eine hervorragende Gelegenheit bietet, die Frage nach der Schuld der Deutschen neu zu durchdenken.

Notizen: Pro und Contra Kollektivschuldthese

Im folgenden eine notizenhafte Auflistung der im Buch genannten Personen, sortiert nach ihrer Meinung zur Kollektivschuld der Deutschen – Pro, Contra, Weder-Noch – mit einigen Anmerkungen zu ihrer Rolle und ihren Motiven. Einige der aufgelisteten Personen werden im Buch nicht besprochen, sollen hier aber dennoch notizenhaft mit vermerkt sein, da die Lektüre dieses Buches auf sie stoßen ließ.

Die Positionen pro und contra Kollektivschuld wurden damals auch unter der Überschrift „Ein-Deutschland-These“ und „Zwei-Deutschland-These“ diskutiert (S. 96). Während die „Ein-Deutschland-These“ alle Deutschen in einen Topf warf (Kollektivschuld), ging die „Zwei-Deutschland-These“ davon aus, dass im nationalsozialistischen Deutschland nicht alle Deutschen Anhänger des Nationalsozialismus waren.

-1- Pro Kollektivschuld

Die Alliierten Besatzer:
Diese gingen zumindest implizit von einer Kollektivschuld aus. Das folgt indirekt aus der Absicht zu einer Re-education der Deutschen: Denn eine solche Re-education auf breiter Front war natürlich nur nötig, wenn das Volk als solches schuldig geworden war (S. 96). Man ging davon aus, dass der deutsche Nationalcharakter einen Gegensatz zur Freiheit bildet; General Lucius D. Clay, 1947 bis 1949 US-Militärgouverneur in Deutschland, der von allzu großer Härte gegenüber den Deutschen abriet, wollte die amerikanische Kultur in Deutschland implementieren, um den deutschen Geist zu befreien (S. 99). Überall wurde der Film „Die Todesmühlen“ gezeigt (S. 103). Überall hingen Plakate mit dem Text: „Diese Schandtaten: Eure Schuld!“ (S. 241) Erst am 18.05.1947 kam es zu einem Meinungswechsel. An diesem Tag erließ die britische Militärregierung den sogenannten Be-kind-to-the-Germans-Befehl.

Lord Vansittart (1881-1957):
Der britische Diplomat Baron Robert Vansittart wurde zum sprichwörtlichen Vertreter der Kollektivschuld der Deutschen, weshalb man auch vom „Vansittarismus“ sprach. 1941 hatte er das Buch „Black Record. Deutsche Vergangenheit und Gegenwart“ veröffentlicht. Seiner Meinung nach war der deutsche Volkscharakter militärisch und aggressiv. Der Nationalsozialismus sei die Kulmination des deutschen Wesens. Es sei Unsinn, bei den Deutschen zwischen Linken, Rechten, Katholiken usw. unterscheiden zu wollen. Nur eine harte Niederlage und eine lange Umerziehung würde helfen. (S. 130) Willy Brandt nannte den Vansittartismus „Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen“ (S. 131).

William Shirer (1904-1993):
Der US-Journalist William Shirer war ein Anhänger des Vansittarismus. Er beteiligte sich am „Komittee zur Verhinderung eines Dritten Weltkrieges“, den er erneut von Deutschland ausgehen sah. Noch 1985 argwöhnte er, dass die gemeinsame Kranzniederlegung von Ronald Reagan und Helmut Kohl auf dem Soldatenfriedhof von Bitburg, auf dem auch SS-Männer beerdigt waren, ein Versuch der Deutschen wäre, die SS zu rehabilitieren. Erika Mann verteidigte Willilam Shirer. (S. 125-138) – Später kam heraus, dass William Shirer, der 1934-40 Korrespondent in Deutschland war, anfangs durchaus begeistert von Adolf Hitler war. Sein Tagebuch aus dieser Zeit wurde von ihm nachträglich redigiert, um das zu verschleiern (S. 128). In seinem 1960 erschienenen Buch „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ blendete Shirer den deutschen Widerstand gegen Hitler völlig aus (S. 137).

Rebecca West (1892-1983):
Die britische Journalistin Rebecca West führte ein unstetes Leben und hatte eine Affäre mit dem Nürnberger US-Hauptrichter Francis Biddle, der nach außen hin die Rolle des konservativen Familienvaters spielte. Auch West ging von einer Kollektivschuld aus und unterstellte den Deutschen ein Defizit an Verantwortung und sozialem Bewusstsein. Schon in den 1930er Jahren hatte sie die Frage gestellt, warum die Briten nicht jeden Mann, jede Frau und jedes Kind dieser „abscheulichen Nation“ nach dem Ersten Weltkrieg über die Klinge hätten springen lassen: „Die wahnsinnige Barmherzigkeit und Nächstenliebe des Vertrags von Versailles bereiten mir Zähneknirschen.“ (S. 211, 213) Bei einem Aufenthalt auf dem Balkan 1936-38 schrieb sie den Balkanvölkern rassistische Stereotype zu (S. 213).

Erika Mann (1905-1969):
Die Familie Mann musste zu Beginn der NS-Herrschaft aus Deutschland fliehen, was vor allem bei Erika Mann zu einer gewissen Verbitterung führte, die sich teilweise auf ihren Vater übertrug, auf den sie großen Einfluss hatte. Diese Verbitterung ist angesichts des erlittenen Traumas verständlich, doch überzog Erika Mann ins Maßlose. Erika Mann war Anhängerin der Kollektivschuldthese. Die Deutschen waren für sie das „garstige, unselige Volk“, das zu keiner Selbstreflexion fähig sei und aus subjektiver Schuldunfähigkeit ein penetrantes Selbstmitleid habe. Deutschland sei ein verlorenes Land, „es ist einfach nicht menschenerkennbar“. Sie verleugnete ihr eigenes Deutschsein und stylte sich amerikanisch. (S. 113 f.)
       Wer in der Inneren Emigration war – von ihr „diese stolze Bruderschaft“ genannt – wurde von ihr gehässig verspottet: Werner Bergengruen warf sie vor, „jegliche deutsche Schuld in einem Meer menschlicher Sündhaftigkeit aufzulösen“ zu wollen (S. 118). Dass Rudolf Heß – über die Beziehung mit Karl Haushofer – seine schützende Hand über ihren Großvater gehalten hatte, wurde von ihr ignoriert. Mit Karl Haushofer führte sie kurz vor dessen Selbstmord 1946 ein gehässiges Interview, das dessen Abkehr von seinen Irrtümern im Jahr 1941 nicht honorierte. In der Adenauerzeit sah Erika Mann überall Nazis. Und 1968 stellte sie sich kritiklos auf die Seite der Studenten. (S. 114-118, 264-266) Ihr Ehemann W.H. Auden mahnte Erika Mann, sie solle nicht zuviel hassen (S. 108). Ihr Bruder Golo Mann warf ihr vor, auch Unwahrheiten zu verbreiten (S. 114).
       Während des Krieges hatte Erika Mann noch zusammen mit Klaus Mann das Buch „The Other Germany“ (1940) geschrieben (S. 109), das dafür argumentierte, dass es neben den Anhängern des Nationalsozialismus ein „anderes Deutschland“ gab und dass die Mehrheit der Deutschen keine Nazis waren, sondern das Ende Hitlers herbeisehnten. Nach dem Krieg war von dieser Einstellung nichts mehr vorhanden. Dass es in Nürnberg keine deutschen Richter gab, verteidigte Erika Mann, da man „den Deutschen nicht zutrauen kann, sich angemessen um ihre eigenen Kriegsverbrecher zu kümmern“ und da unter den deutschen Richtern immer noch unbelehrbare Nazis waren (S. 256).
       Erika Mann war eine umtriebige und teils liederliche Person, die ihre Abitur nur mit Ach und Krach geschafft hatte (S. 108). Zur Zeit des Nürnberger Prozesses hatte Erika Mann eine Beziehung mit Betty Knox, ebenfalls eine liederliche Person, die von ihren Eltern nicht gern gesehen wurde (S. 105-107). Im Presselager machte sie sich durch ihre Ansprüche unbeliebt (S. 111). In seinen letzten Lebensjahren stand ihr Vater Thomas Mann unter dem starken Einfluss seiner Tochter Erika Mann, die sich um ihn kümmerte.

Klaus Mann (1906-1949):
Der jüngere Bruder von Erika Mann, Klaus Mann, war praktisch immer derselben Meinung wie seine Schwester. Nachdem er zusammen mit Erika Mann 1940 das Buch „The Other Germany“ geschrieben hatte (S. 109), das die Kollektivschuldthese ablehnte, wandte er sich später wie seine Schwester der Kollektivschuldthese zu. Klaus und Erika Mann kritisierten auch gnadenlos Erich Kästner, der in der inneren Emigration in Deutschland geblieben war (S. 96 f.).

Peter de Mendelssohn (1908-1982):
Der deutsch-britische Schriftsteller Peter de Mendelssohn gründete ab 1945 im Auftrag der Westalliierten verschiedene Zeitungen in Deutschland. Dazu rekrutierte er auch Erich Kästner für die „Neue Zeitung“ in München. (S. 86) Mendelssohn galt als „unerbittlicher Umerzieher“ und wurde als zu streng kritisiert (S. 98). Erich Kästner warf er später vor, antiamerikanisch zu sein (S. 98). Von den deutschen Intellektuellen war er enttäuscht, weil sie „typically German“ reagiert hätten, nämlich unbelehrbar und weltabgewandt (S. 96). Peter de Mendelssohn war aber vielleicht milder, als manche meinen, was man daran ablesen kann, dass er Erich Kästner rekrutierte und dass er selbst wieder nach München zog und deutscher Staatsbürger wurde (S. 99).

Martha Gellhorn (1908-1998):
Die Journalistin Martha Gellhorn war eine der großen Chronistinnen des Zweiten Weltkrieges, die sich nicht scheute, Verbote zu umgehen und selbst in Gefahr zu kommen. 1936 heiratete sie Ernest Hemingway (1899-1961). Die Ehe war offenbar schwierig, beide warfen sich gegenseitig vor, voneinander abzuschreiben. Wegen ihrer deutschen Vorfahren warf ihr Hemingway „preussisches Blut“ und „krautism“ vor (S. 222).
       Schon 1943 gibt sich Martha Gellhorn als Anhängerin der Kollektivschuldthese von Lord Vansittart zu erkennen (S. 234). Im August 1944 schreibt sie: „Was für eine Rasse ist das, diese Deutschen: Wenn man bedenkt, dass man versucht hat, die Malaria auszurotten, könnten wir uns doch allemal ein wenig Zeit nehmen, die Deutschen auszurotten, die noch sichereren und hässlicheren Tod bringen.“ (S. 229) Hass ist für Gellhorn ein positiv besetztes Gefühl (S. 229). 1948 erscheint ihr Roman „Point of no Return“, in dem sie ihren Rachephantasien freien Lauf lässt und ein jüdischer US-Soldat deutsche Frauen totfährt (S. 230).
       1962 äußerte sie anlässlich einer Reise nach Deutschland, dass die Deuschen „unheilbar“ seien, wie „ruhende Schafe und Tiger“, die ohne die betäubende Wirkung des Konsums wieder zu „wahnsinnigen blutliebenden Schafen und menschenfressenden Tigern“ werden würden (S. 234). 1990 äußerte sie sich anlässlich einer Reise nach Deutschland angesichts der ausländerfeindlichen Anschläge von Rostock und Hoyerswerda: „Ich glaube, die Deutschen haben ein Gen locker.“ (S. 235)

Janet Flanner (1892-1978):
Die US-Journalistin Janet Flanner lebte vor dem Krieg mit Freundinnen in Paris, wo sie ein Netzwerk von lesbischen Beziehungen unterhielt (S. 148). Das Berlin der 20er Jahre kam ihr ungefährlich vor: Statt preußischen Stiernacken fand sie multikulturelle Buntheit und „semitischen Chic“. (S. 149) Adolf Hitler wurde von Flanner zuerst falsch eingeschätzt. 1936 schrieb sie ein ironisch-witziges Portrait zu Hitler. Später meinte sie rückblickend, dass die Situation erst Mitte der 30er Jahre bedenklich geworden wäre. (S. 150) Die Deutschen seien uneinsichtig. Sie habe nie nur gegen die Nazis gekämpft, sondern immer gegen Deutschland und die Deutschen. (S. 162 f.) Die Besonderheit von Janet Flanner war, dass sie generell „gegen Männer“ schrieb. Das nationalsozialistische Deutschland war für sie nur eine gute Gelegenheit, sich generell gegen Männer auszulassen (S. 153, 163).

Elsa Triolet (1896-1970) und Louis Aragon (1897-1982):
Beide waren ausgemachte Stalinisten und Mitglieder der französischen Resistance. Elsa Triolet war vermutlich mit dem sowjetischen Geheimdienst GPU im Bunde. Ihrer Meinung nach waren die Nürnberger Prozesse überflüssig, man hätte die Angeklagten einfach alle hängen sollen (S. 175 f.). Ihre Berichte vom Nürnberger Prozess waren teilweise sachlich falsch und antiamerikanisch (S. 176). Wie alle Anhänger der Sowjetunion glaubten sie fest an die Kollektivschuld der Deutschen: Aragon meinte, alle französischen Kunstwerke müssten aus Deutschland nach Frankreich verbracht werden (S. 178). Erst 1962 kamen beide zu der Einsicht, dass der Stalinismus ein Irrweg war. 1965 schrieb Elsa Triolet, dass die Deutschen wegen des Kalten Krieges nie entnazifiziert worden seien (S. 182).

Markus Wolf (1923-2006):
Auch Markus Wolf, der spätere Chef des DDR-Auslandsgeheimdienstes (Stasi im Westen), war als Stalinist Anhänger der Kollektivschuldthese (S. 198). Angesichts des Nürnberger Prozesses fragte er, wie man jetzt noch Menschen die Freiheit rauben könne? Mit dieser von ihm selbst stammenden These wurde er später vor einem deutschen Gericht konfrontiert, als seine Verbrechen für die DDR verhandelt wurden (S. 199).

-2- Contra Kollektivschuld

Robert H. Jackson (1892-1954):
Der Chefankläger der USA beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, Robert H. Jackson, eröffnete seine Anklage am 21.11.1945 mit einer Rede, in der er u.a. diese Worte sagte:
„We would also make clear that we have no purpose to incriminate the whole German people. We know that the Nazi Party was not put in power by a majority of the German vote. We know it came to power by an evil alliance between the most extreme of the Nazi revolutionists, the most unrestrained of the German reactionaries, and the most aggressive of the German militarists. If the German populace had willingly accepted the Nazi program, no Stormtroopers would have been needed in the early days of the Party and there would have been no need for concentration camps or the Gestapo, both of which institutions were inaugurated as soon as the Nazis gained control of the German state. Only after these lawless innovations proved successful at home were they taken abroad.“
Damit sprach der US-Chefankläger das deutsche Volk mehr oder weniger frei von Schuld. Heutige Historiker halten die Rede von Jackson für fast schon naiv großzügig in der Schuldfrage (S. 67 f.).

Erich Kästner (1899-1974):
Während des Nationalsozialismus blieb Erich Kästner in Deutschland. Als Grund nannte er, dass er Chronist der Ereignisse hätte sein wollen, sowie seine betagte Mutter (S. 97). Die Absicht, Chronist sein zu wollen, kontrastiert aber damit, dass er seine Zusage an Peter de Mendelssohn, ein Buch über die NS-Zeit zu schreiben, nie realisiert hat (S. 99). Als Kästner 1934 das Buch „Drei Männer im Schnee“ veröffentlichte, polemisierte Klaus Mann gegen ihn (S. 97). Kästner hatte im Nationalsozialismus Publikationsverbot, schrieb aber anonym für Film und Theater. Er ließ sich vom Regime wohl mehr einnehmen, als er eingestand (S. 96). Nach dem Krieg wurde Kästner als „Exilschriftsteller honoris causa“ (Marcel Reich-Ranicki) gewertet und von Peter de Mendelssohn für eine der neuen Zeitungen im Land rekrutiert (S. 86, 99). Die Adenauer-Zeit sah Kästner als eine „Ära der Demokratur“.
       Zu den Verbrechen des Nationalsozialismus war Kästner von einer gewissen Sprachlosigkeit befallen (S. 94). Zur Schuldfrage brachte er ein ähnliches Argument vor wie Robert H. Jackson: „und die übrige Welt sollte sich zuweilen daran erinnern, wieviel Deutsche darin [in diesen Lagern] umgebracht wurden.“ Von Umerziehung hielt Kästner gar nichts. Zwang sei immer falsch. Die Deutschen wären in der Lage, sich mittels ihrer eigenen Kultur vom Nationalsozialismus zu befreien. Dabei dachte er an die freiheitlichen Traditionen, an die man anknüpfen könne. (S. 97-99)

Alfred Andersch (1914-1980):
Auch der Assistent Erich Kästners, Alfred Andersch, wandte sich laut diesem Buch gegen die Kollektivschuldthese (S. 98). Das ist interessant, denn Alfred Andersch entspricht sonst eher dem Prototyp des „Shitbürgers“ im Sinne von Ulf Poschardt.

Golo Mann (1909-1994):
Der jüngere Bruder von Erika und Klaus Mann, Golo Mann, war ein Einzelgänger. Nach dem Krieg arbeitete er beim neuen Radio Frankfurt in Bad Nauheim, wo die Amerikaner eine Art „gesteuerten Pluralismus“ zu etablieren versuchten. Golo Mann wandte sich gegen die Kollektivschuldthese und sprach sich für die Kollektivhaftung im Sinne von Karl Jaspers aus. Den Alliierten warf er vor, auch keine Engel zu sein. (S. 258) Seine Schwester Erika Mann kritisierte er dafür, in ihrem Furor auch wahrheitswidrige Dinge gesagt zu haben (S. 114). Politisch bewegte sich Golo Mann immer mehr nach rechts. Später unterstützte Golo Mann Franz-Josef Strauß und engagierte sich für eine Begnadigung von Rudolf Heß, wobei er sich mehrfach mit allzu rechten Kreisen einließ, die ihn gegen seinen Willen vereinnahmten (S. 258-266).

Willy Brandt (1913-1992):
Der spätere Bundeskanzler Willy Brandt war als Korrespondent einer norwegischen Zeitung in Nürnberg. Zu dieser Zeit schrieb er an seinem 1946 auf Norwegisch und Schwedisch veröffentlichten Buch „Verbrecher und andere Deutsche“. Darin versuchte Willy Brandt, der Deutschenfeindlichkeit in Norwegen und Schweden entgegenzuwirken. Er sprach sich gegen den Vansittarismus aus und gegen die Vorstellung, dass die Deutschen eine Hordenmentalität hätten. Zwischen Schuld und Verantwortung müsse differenziert werden. Später wurde Willy Brandt unterstellt, das Buch sei deutschfeindlich, was aber nicht zutrifft. Es erschien erst 2007 in deutscher Sprache. (S. 190-194) Den Vansittartismus nannte Willy Brandt „Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen“ (S. 131).

George Orwell (1903-1950):
Der britische Schriftsteller George Orwell schätzte die Deutschen als Kulturvolk. Über die antideutsche Gesinnung vieler seiner Landsleute machte er sich lustig. (S. 47)

Victor Gollancz (1893-1967):
Der britische Verleger, Sozialdemokrat und Pazifist Gollancz war ein früher Gegner Hitlers, kritisierte aber nach dem Krieg die Behandlung der Deutschen, auch die Vertreibung. Er sprach sich gegen die Thesen von Lord Vansittart aus.

Wilhelm Emanuel Süskind (1901-1970):
Der Vater des späteren Bestsellerautors Patrick Süskind, Wilhelm Emanuel Süskind, hatte sich als Herausgeber und Beiträger von NS-Zeitschriften mit dem Regime verstrickt. Vor dem Krieg war er ein Jugendfreund von Erika Mann, nach dem Krieg verhielt er sich gegenüber den Manns ziemlich frech. Die These von der Schuld der Vielen lehnte er ab, es müsse genau unterschieden werden zwischen den Tätern und den passiv Gebliebenen (S. 117).

-3- Weder-Noch

Karl Jaspers (1883-1969):
Der bekannte Philosoph Karl Jaspers veröffentlichte 1946 das Büchlein „Die Schuldfrage“. Darin sprach er sich gegen die Kollektivschuldthese aus und differenzierte zwischen vier Schuldbegriffen: Der kriminellen Schuld, für die man sich vor Gericht verantworten muss, der politischen Schuld, für die man sich vor den Siegern verantworten muss, der moralischen Schuld, für die man sich vor dem Gewissen verantworten muss, und der metaphysischen Schuld, für die man sich vor Gott verantworten muss. (S. 241 f.)
       Allerdings wissen wir aus der Lektüre des Buches „Wohin treibt die Bundesrepublik?“ von 1966, dass Karl Jaspers maßlos bei der Zumessung von individueller Schuld übertreibt, so dass daraus doch wieder eine Art von Kollektivschuld wird: Allein dass man überlebt hat, gilt praktisch schon als Schuld. Jeder, der nicht sein Leben daran gesetzt habe, den Nationalsozialismus zu bekämpfen, sei schuldig. Von allen Deutschen seien vielleicht 500.000 ohne Schuld, meint Jaspers. Paradoxerweise nimmt Jaspers aber z.B. den einfachen Soldaten in Schutz, weil er nur Befehlsempfänger war. Die Meinung von Jaspers erscheint sehr widersprüchlich.

Hannah Arendt (1906-1975):
Auch Hannah Arendt, die mit Karl Jaspers befreundet war, äußerte sich zur Schuldfrage. Sie sah eine „organisierte Schuld“ und wollte mehr als nur eine kriminelle Schuld sehen, von der Jaspers sprach. Näheres ist in diesem Buch nicht zu erfahren. (S. 241 f.) Generell wurde die Debatte um die Schuldfrage in kulturpolitischen Zeitschriften geführt. Daran beteiligen sich neben Hannah Arendt auch Thomas Mann und Franz Werfel (S. 241).

Thomas Mann (1875-1955):
Der Schriftsteller Thomas Mann tendierte in seinen Aussagen deutlich zur Kollektivschuld, doch steht das in seltsamem Kontrast zu seiner humanistischen Grundhaltung und seinem fortwährenden Bemühen um Deutschland und die Deutschen in Radioansprachen und Reden. Vielleicht verdankt sich manche Härte aus dem Mund von Thomas Mann dem Einfluss von Erika Mann, die sich um ihren Vater Thomas Mann in seinen letzten Jahren kümmerte. Da fallen dann Sätze wie dieser über die Deutschen: „Dass sie sich jedem verrückten Schurken gläubig hingeben, der ihr Niedrigstes aufruft, sie in ihren Lastern bestärkt und sie lehrt, Nationalität als Isolierung und Rohheit zu begreifen, ist miserabel.“ In seiner Rede „Deutschland und die Deutschen“ wird aber eine ganz andere Perspektive eröffnet, nämlich der Gedanke: Kein Faust ohne Mephisto. In Frankfurt am Main hielt Thomas Mann 1949 eine Rede mit dem Titel „Goethe und die Demokratie“. Wer an eine Kollektivschuld glauben würde, würde das alles nicht tun. Wir ordnen Thomas Mann deshalb bei Weder-Noch ein. Die Lektüre dieses Buches sowie ein paar kurze Notizen sind definitiv nicht ausreichend, um die komplexe und widersprüchliche Meinung von Thomas Mann richtig zu erfassen und einzuordnen.

Alfred Döblin (1878-1957):
Der Schriftsteller Alfred Döblin verfasste im Auftrag der französischen Besatzungsmacht die Aufklärungsschrift „Der Nürnberger Lehrprozess“, die in 200.000 Exemplaren verteilt wurde. Darin täuschte er vor, in Nürnberg gewesen zu sein. (S. 140 f.). Döblin hielt „die Deutschen“ für schuldig, aber auch für bekehrbar. Seine Idee einer Kollektivschuld löste sich praktisch in Humanismus und Optimismus auf, zu denen sie im Widerspruch stand.

John Dos Passos (1896-1970):
Der US-Journalist und Schriftsteller John Dos Passos war mit Ernest Hemingway im Spanischen Bürgerkrieg, wurde dort aber desillusioniert und verließ Spanien wieder, während Hemingway blieb, was zum Zerwürfnis führte. John Dos Passos: „Meine Beobachtungen in Spanien führten zu einer vollständigen Desillusionierung über den Kommunismus und die Sowjetunion.“ (S. 60) Auf die Frage, warum der Nationalsozialismus schlimmer gewesen sein soll als die Kriegsverbrechen der USA, darunter die Bombardierung Dresdens, die 15 Millionen deutsche Vertriebenen oder die Auslieferung Polens an die Sowjetunion, wusste Dos Passos keine Antwort (S. 64). John Dos Passos erscheint hier sehr ratlos.

Wolfgang Hildesheimer (1916-1991):
Der Schriftsteller und Maler Wolfgang Hildesheimer war in Nürnberg als Dolmetscher tätig, was ihn psychisch offenbar sehr belastete. Damals kritisierte er, dass die Deutschen vor lauter Selbstmitleid kein Schuldgefühl hätten. Doch 1949 änderte er seine Meinung völlig. Die Deutschen seien „wenn auch vielleicht nicht zum größten, aber doch wohl zum großen Teil schuldlos.“ (S. 243) Als Fritz J. Raddatz in der ZEIT 1979 die NS-Vergangenheit der Mitglieder der Gruppe 47 hinterfragte, antwortete Hildesheimer, der seit 1951 Mitglied der Gruppe 47 war, mit einem Artikel: „Waren meine Freunde Nazis?“ Seine Antwort lautete, dass manche damals vielleicht tatsächlich Nazis waren, heute jedoch nicht mehr. 1957 ging Hildesheimer in die Schweiz. 1964 meinte er, zwei Drittel der Deutschen seien Antisemiten, und würden es immer bleiben. Als Richard von Weizsäcker den 1984 den 8. Mai einseitig als „Tag der Befreiung“ bezeichnete, begrüßte Hildesheimer das.

Fazit der Notizen

Wir sehen zur Schuldfrage erstaunlich viele Einseitigkeiten und erstaunlich viele Widersprüchlichkeiten. Vieles würde einer rationalen Überprüfung nicht standhalten. Bei den Anhängern der Kollektivschuldthese sehen wir teilweise Fanatismus am Werk: Wer selbst in kollektiven und rassistischen Stereotypen denkt, kommt natürlich leicht zu einer Kollektivschuldthese. Der primitive Deutschenhass erinnert strukturell an das stereotype Denken von Kirchenhassern, Islamhassern oder Judenhassern.

Die überzeugendsten Antworten auf die Schuld der Deutschen scheinen bei Erich Kästner und Willy Brandt zu finden zu sein. Beide waren gewiss keine Nazis, aber auch keine Kollektivschuld-Fanatiker, sondern Humanisten und Realisten, die die Situation der Otto-Normal-Deutschen im Nationalsozialismus aus eigener Anschauung kannten und sich allzu einfachen Anworten auf die Schuldfrage verweigerten. Aber auch diese beiden formulieren nur grobe, menschliche Überlegungen, eine ausformulierte Analyse der Schuldfrage findet sich nirgends. Strukturell hat Karl Jaspers wohl am weitesten gedacht.

Das Phänomen der „Shitbürger“ im Sinne Ulf Poschardts, dass also Nazis versuchten, sich mit der Kollektivschuldthese selbst von persönlicher Schuld rein zu waschen bzw. ihre persönliche Schuld von sich abzuspalten und auf das Volk zu projizieren, sehen wir in diesem Buch selten. Vermutlich, weil es die Zeit direkt nach 1945 betrifft. Die Shitbürger begannen sich erst im Anschluss an diese Zeit zu entwickelen. Ein „Shitbürgertum“ deutet sich aber bei Erika Mann an, die ihr Deutschsein verleugnete. Wer als Deutscher den Deutschen eine Kollektivschuld zuschreibt, sich selbst aber davon ausnimmt, kann dies logischerweise nur durch Selbstverleugnung tun. Auch Wolfgang Hildesheimer ist als Mitglied der Gruppe 47 ein Kandidat für das Shitbürgertum.

Im Jahr 1946 machte die US-Militärregierung eine Umfrage unter den Deutschen, bei der sich 92% gegen die Kollektivschuldthese aussprachen (S. 241). Die restlichen 8% müssen wohl entweder schuldige Nazis gewesen sein, die ihre Schuld durch die Kollektivschuldthese zu relativieren suchten, oder selbsthassende Deutsche wie Erika Mann.

Die Atmosphäre in Nachkriegsdeutschland wird besonders gut in dem Roman „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppen eingefangen. Dort zeigt sich keiner schuldbeladen. Die Leute haben ganz andere, völlig praktische Sorgen. Auch die Beobachter von Nürnberg stellten wiederholt fest, dass die Masse der Deutschen sich keiner Schuld bewusst war und sich in ihrer misslichen Situation nach 1945 vielmehr selbst bemitleidete. Es wäre zu überlegen, ob dies bei den meisten vielleicht keine Verleugnung von Schuld war, sondern einfach nur naive Ehrlichkeit, also das, was die Leute wirklich glaubten.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Marco Gallina: Giovannino Guareschi – Don Camillos rebellischer Vater (2026)

Ein konservativer Rebell; Einblicke in ein anderes Italien

Jeder kennt die Filme mit Don Camillo und Peppone, aber kaum einer hat sie ernst genommen. Es scheint sich um Klamauk und Comedy zu handeln, und wenn Don Camillo mit Jesus spricht, wird es kitschig. Doch der geistige Vater von Don Camillo ist ein Gigant der italienischen Geistesgeschichte, scheinbar vergessen und unterschätzt.

Ein konservativer Rebell

Giovannino Guareschi (1908-1968) war ein durch und durch katholischer Mensch, geprägt von der Volksfrömmigkeit der „Bassa“, d.h. der Po-Ebene in Norditalien, einer katholischen Provinz wie aus dem Bilderbuch. Mit seinem Glauben stürzte er sich in die Politik, aber nicht als Politiker, sondern als Satiriker und bissiger Kommentator. Seine Zeitschrift „Candido“ übte in den 1950ern großen Einfluss in ganz Italien aus und hatte einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Christdemokraten sich gegen Kommunisten und Sozialisten durchsetzen konnten. Von seinem Glauben her kritisierte Guareschi alle, die Kommunisten und Sozialisten ebenso wie die Christdemokraten. Er saß praktisch zwischen allen Stühlen und ging für seine Überzeugungen auch ins Gefängnis. Zuletzt kritisierte er auch die beginnende Modernisierung der katholischen Kirche.

Guareschi ist der Prototyp eines Menschen, der unberührt von den Kräften der Zeit in einem ganz eigenen, geistigen Universum lebt. Das gab ihm eine besondere Lebenskraft, die ihn nicht nur die Kriegsgefangenschaft als italienischer Soldat bei den Deutschen überleben ließ, sondern auch dazu führte, dass er sich mit keinem Zeitgeist je anfreunden konnte. Immer sah er sofort, wo Irrtum und Heuchelei lauerten, und wo die Mächtigen über die kleinen Leute hinwegschritten. Mit seiner Satire von Don Camillo und Peppone spießte Guareschi den (Un-)Geist seiner Zeit auf und zeigte den Menschen, dass nur eine non-konformistische, individuelle Gewissensentscheidung zum Guten führt.

Einblicke in ein anderes Italien

Italien ist uns intellektuell vor allem durch Umberto Eco bekannt, der ein Linksliberaler der alten Schule war. Guareschi eröffnet aber einen Blick auf das konservative, damals vielleicht sogar monarchistische Italien, das es auch gab und gibt. Sich selbst nannte Guareschi ein „Kind zweier Italien“: Sein Vater war Sozialist, seine Mutter gläubige Katholikin.

Das Buch gibt Einblicke in unbekannte Tiefenschichten der jüngeren italienischen Geschichte. Es ist auch interessant zu vergleichen: Wie kam es z.B. in Italien zum Ende der Monarchie, wie in Deutschland? In beiden Ländern war dies keine völlig klare Entscheidung. Das alles wird von Marco Gallina mit einem knappen Stil, der sich auf das Wesentliche beschränkt, in einem wunderbar lesbaren Buch beschrieben.

Kritik

Vielleicht könnte man Guareschi manchmal Derbheit und Kitsch vorwerfen. Aber das wäre wohl meist ein unpassender und zeitbedingter Vorwurf. Die Filme über Don Camillo und Peppone wurden von Guareschi teils selbst kritisiert, weil sie zu sehr von seinen Intentionen abwichen.

Der skeptische Leser fragt sich auch dies: Guareschi kritisierte alle möglichen Mächte, die Kommunisten, die Christdemokraten, die Gewerkschaften, die USA usw., aber er selbst war mit seinem Glauben natürlich ebenfalls bei einer solchen Macht angebunden, nämlich bei der katholischen Kirche. Zugegeben: Die katholische Kirche ist vergleichsweise verlässlich. Aber natürlich führt auch diese Institution ihre Mitglieder am Nasenring durch die Manege, wenn es darauf ankommt. Guareschi kam durch die Veränderungen im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils in einen gewissen Konflikt mit seiner Kirche, aber eine echte Nagelprobe ist ihm erspart geblieben. Oder Guareschi hat eine Zuspitzung dieses Konfliks bewusst vermieden, weil er innerlich ahnte, was das Ergebnis gewesen wäre.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Otto Blümel: Hermann Hesses Indienreise (1911)

Köstliche Verballhornung von Hermann Hesse mit humorig-höherer Weisheit

„Dies ist alles leicht beschreiblich,
aber mir ist es nicht gläublich“,
sprach Herr Hesse zum Kaffee
(immer noch am Bodensee).
„Nicht der Druckerschwärze trauen,
sondern selber gehn und schauen
scheint mir rechten Mannes Art.“

Im Jahr 1911 machte sich Hermann Hesse auf nach Indien, und sein Freund Otto Blümel führte zum Abschied ein kleines Schattenspiel mit selbstgedichteten Versen auf. Die Dichtung und die dazu gehörigen Schattenbilder sind erhalten und in diesem gut organisierten Büchlein zusammen mit einem hilfreichen Nachwort abgedruckt.

Hermann Hesse wird ordentlich auf die Schippe genommen! Das Klischee des Theoretikers, der in der praktischen Welt scheitert, wird bemüht. Hesse wird von einem Walfisch verschluckt und landet auf einer einsamen Inseln mit wilden Eingeborenen. Indien wird nicht erreicht, und an die Erlangung indischer Weisheiten ist gar nicht zu denken.

Und so war es auch in Wirklichkeit: Hesse war gar nicht in Indien, sondern nur in Ceylon, Sumatra und Singapur. Dann musste er die Reise abbrechen, weil er den „Kolonialfraß“ nicht mehr vertrug. Hier hat die Realität wieder einmal die Satire eingeholt.

Höhepunkt und Pointe der Dichtung ist der Häuptling der Eingeborenen auf der einsamen Insel, der sich als Malergeselle aus Radolfzell am Bodensee entpuppt und Hermann Hesse überraschend im Radolfzeller Dialekt anspricht. Hier deutet sich die Weisheit an, dass man in der Fremde vor allem sich selbst und die Liebe zur eigenen Heimat findet.

Die Schattenbilder zeigen Hermann Hesse als hagere Gestalt mit Strohhut, Brille und Schmetterlingsnetz. Es ist fast ein modernes Mem für den weltfremden „theoretischen Typ“. Der Häuptling-Malergeselle berichtet unbekümmert, dass er sich selbst am ganzen Körper mit schwarzer Farbe angemalt hat, um bei den Eingeborenen als ihresgleichen durchzugehen: Blackfacing pur! Auf diese Weise ist dieses Werk von Otto Blümel zugleich eine erfrischende Erholung von dem kranken Geist des Postkolonialismus und seiner postmodernen Idiotien.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Thomas A. Szlezák: Platon lesen (1993)

Allgemeinbildende Grundeinsichten zu Platons Dialogen

Die Dialoge Platons sind grundlegende Texte unserer Kultur der Aufklärung und können und sollten von jedem gelesen werden. Auf einer oberflächlichen Ebene sind sie auch leicht und unmittelbar zu verstehen.

Doch wer etwas tiefer in die Materie eindringen möchte und die Frage stellt, was Platon mit seinen Dialogen genau bezweckte und sagen wollte, der ist mit „Platon lesen“ von Szlezák zunächst ganz gut bedient. Was hier über Platon gesagt wird, gehört genauso zur grundlegenden Allgemeinbildung wie die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung über die Texte von Bibel, Koran u.a.

Natürlich ist nicht alles, was Szlezák sagt, unumstritten, so z. B. seine Auffassungen zur Verwendung des Begriffes „Mythos“ durch Platon. Dennoch: Leseempfehlung!

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 11. März 2011)

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin (2016)

Kurze Karikatur auf Kollektivierungstrieb und Scheinfreundlichkeit der Gesellschaft

Keiko Furukura ist eine Autistin (das wird allerdings nirgends im Buch explizit so gesagt), die keine Gefühle empfinden kann und keine Persönlichkeitsentwicklung kennt, die sie gesellschafts- und beziehungsfähig machen würde. Als Studentin begann sie als Aushilfe in einem Konbini zu arbeiten, einem typisch japanischen Kleinsupermarkt. Dort findet sie das Umfeld, das ein Autist braucht, um sich wohlzufühlen: Eine berechenbare, überschaubare Welt, in der sich nichts verändert, und wo ihr sogar gesagt wird, welche Worte und welche Mimik sie den Kunden gegenüber verwenden soll. Sie beginnt auch die Sprache und die Kleidung ihre Kolleginnen zu imitieren. Mit Mitte 30 arbeitet sie immer noch als Aushilfe im Konbini, hat keine Freunde und war noch nie mit einem Mann zusammen. Der Konbini ist ihr ganzes Leben.

Dann taucht Shiraha auf, ein Bilderbuchexemplar von einem männlichen Versager. Zur Rationalisierung seines Versagens hat er sich allzu holzschnittartige Vorstellung von der Gesellschaft und von der Rolle von Mann und Frau zurechtgelegt. Eines hat er jedoch bestens verstanden: Welche Erwartungshaltungen die Gesellschaft hat. Keiko Furukura lässt Shiraha bei sich wohnen, weil er ihr einredet, dass sie damit die Erwartungshaltungen der Gesellschaft erfüllen könnte – was anfänglich auch erstaunlich gut funktioniert. Doch der Versuch scheitert, und am Ende geht Keiko wieder ganz in der Welt des Konbini auf.

Anhand der Geschichte zeigen sich die Erwartungshaltungen der Gesellschaft, der Trieb der meisten Menschen, alle anderen gewissermaßen zu „kollektivieren“, und eine heute leider sehr verbreitete Scheinfreundlichkeit, die alles zum Schein zusammenhält. Doch unter der Oberfläche gibt es keine Freundlichkeit mehr.

Teilweise hat die Gesellschaft berechtigte und verständliche Erwartungshaltungen:

  • Man sollte nicht ewig nur als Aushilfe arbeiten.
  • Eine Beziehung gehört zu einem normalen und bereicherten Leben dazu.
  • usw.

Teilweise zeigt sich aber auch erschreckendes und peinliches Denken und Verhalten:

  • Allzu klischeehafte Vorstellungen von der Rolle von Männern und vor allem Frauen.
  • Spontanes kollektives Lästern, Tratschen und Herziehen über Außenseiter und Andersartige. Herdentrieb pur.
  • Spontane Produktion von klischeehaften Phantasien, wie etwas zu laufen habe, ohne diese Phantasien an der Realität und vor allem an den Präferenzen dessen zu überprüfen, für den man sich diese Phantasie macht.
  • Es wird deutlich, was für lächerliche Eigenschaften die „Eintrittskarten“ in die „normale“ Gesellschaft sind, und wie willkürlich die Ausschließung von Andersartigen ist. Eine Beziehung zu haben scheint für manche der Unterschied zwischen Sein und Nichtsein zu sein.
  • Nicht zuletzt wird auch die Konbini-Kultur auf die Schippe genommen: Dass gerade eine Autistin sich in dieser Konsumwelt des schönen Scheins am wohlsten fühlt, zeigt deren Defizite am deutlichsten.

Was den Leser etwas nervt, ist der Umstand, dass sowohl Keiko als auch Shiraha keinerlei Antrieb zu einer Entwicklung zeigen. Sie sind völlig zufrieden mit ihrer reduzierten Stellung in der Welt. So möchte man nicht denken und leben. Allerdings sollte man beachten: Der ganze Roman ist eine einzige Karikatur. Als Karikatur ist es erlaubt.

Ärgerlich wie so oft ist auch das Marketing des Verlags, das die Aussageabsicht des Buches völlig verdreht: Es ginge um „eine Liebesgeschichte aus den Tiefkühlregalen des Herzens“, heißt es da auf dem Coverrücken. Nein! Defnitiv nein. Dieses Buch ist alles andere als eine Liebesgeschichte, und gerade daraus bezieht es seinen Charme. Ebenso falsch diese Aussage auf dem Coverrücken: „Keikos Weltordnung gerät ins Wanken“. Das tut sie eben gerade nicht. Die Eskapade mit Shiraha geschieht ja gerade zu dem Zweck, diese Weltordnung zu bewahren. Und am Ende setzt Keiko die von ihr bevorzugte Weltordnung gegen alle Anfechtungen durch und bleibt in ihrer Konbini-Welt. Gerade dieses konsequente Durchziehen ihrer autistischen Position ist der Plot des Buches.

Davon abgesehen ist dieses Büchlein aber ein wahrer Genuss: Seite für Seite ein trocken-absurdes Feuerwerk der Ironie! Leider werden nur wenige es verstehen. Der Marketing-Mist des Verlags deutet es schon an. Die Amazon-Rezensionen sagen alles. Doch für diese Wenigen, die es verstehen, ist es geschrieben. Willkommen im Club?

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 09. Januar 2020)

Frank Dörnenburg: Pyramidengeheimnisse? Enträtselte Mysterien (2008)

Endlich eine bilderreiche und kluge Aufklärung rund um Pyramiden

Was ist nicht alles schon über Pyramiden geschrieben worden, was hat sich nicht alles an Fragen angehäuft: Hypothesen, Vermutungen, Halbwissen, Pseudowissenschaft, Irrtümer, Kurzschlüsse, Gerüchte, Zahlenspiele – wer blickt da noch durch? Und wer könnte es wagen, aufgrund fundierter Kenntnisse eine Bresche durch diesen Dschungel zu schlagen und aufzuklären, an welcher Idee etwas dran ist – und an welcher nicht?

Es ist natürlich Frank Dörnenburg, der in der Szene durch seine Homepage bereits bestens bekannt und eingeführt ist. Geduldig und präzise schreitet er in seinem Buch von Kapitel zu Kapitel, von Thema zu Thema voran, und erklärt mit Engelsgeduld, warum diese oder jene Idee nicht funktionieren kann. Das Ganze ist mit einer Fülle von Bildern garniert, die die Meinungen von Dörnenburg aufs Beste belegen.

Keine Frage: Dieses Buch ist eine absolute Kaufempfehlung!

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 16. November 2008)

Katholischer Erwachsenenkatechismus (1985/1995) – Katechismus der Katholischen Kirche (1992)

Grundlegende Lektüre zum Verständnis unserer Welt: Ein katholischer Katechismus

Die meisten Menschen winken beim Wort „Katechismus“ ab: Sie denken an eine Sammlung von kurzen Fragen und Antworten, wie sie die Schüler in früheren Zeiten auswendig lernen mussten. Die reine Schikane. Und doktrinärer Kirchen-Unsinn ist es obendrein. Wer glaubt denn sowas? Wer tut sich das an? Also weg damit.

Aber so einfach ist es nicht. Es gibt eine ganze Reihe von sehr guten Gründen, warum man einen Katechismus gründlich gelesen haben sollte:

  • Was ist Christentum überhaupt? Das ist genau die Frage, die ein Katechismus beantwortet. Ein Katechismus ist die Zusammenfassung der christlichen Glaubens- und Sittenlehre: Was man als Christ inhaltlich glauben sollte, und wie man als Christ leben und handeln sollte in der Welt. Das Wort „Katechismus“ könnte man mit „Lehrbuch“ übersetzen. – Viele Menschen glauben zwar zu wissen, was Christentum ist, doch in Wahrheit ist das vorhandene Wissen oft nur sehr oberflächlich. Da das Christentum aber nun einmal tatsächlich ein wesentlicher Grundpfeiler unserer gesamten westlichen Kultur ist, sollte man sich durchaus die Mühe machen, der Sache etwas näher auf den Grund zu gehen. Und zwar völlig unabhängig von der Frage, ob man das nun glauben will oder nicht. Darum geht es gar nicht. Es geht um ein unverzichtbares Stück Bildung, ohne das wir die Welt, in der wir leben, nicht richtig verstehen können.
  • Die Bibel deuten: Die meisten Menschen glauben, was Christentum sei, das stünde in der Bibel. Man müsse nur die Bibel lesen, und schon wüsste man, was Christentum ist. Aber das ist falsch. Ganz falsch. – Natürlich ist die Bibel das heilige Buch der Christen und damit die Grundlage des Christentums. Aber reicht ein Blick in die Bibel wirklich? Wenn ein x-beliebiger Christ an unserer Haustüre steht und uns eine Bibel überreicht, wissen wir dann schon, was der glaubt? Es gibt so viele Variationen: Papst oder nicht Papst? Bußsakrament oder nicht? Abendmahl als echte Wandlung oder nur als Symbol? Ehescheidung erlaubt oder nicht erlaubt? Jesus der wahre Sohn Gottes oder nur ein Auserwählter? Maria als Mutter der Kirche, oder nur ein unbedeutendes Waschweib? – Mit der Bibel allein weiß man praktisch nichts! Denn was eine Kirche aus der Bibel herausliest, das steht nur im Katechismus der jeweiligen Kirche. Und nur dort! Die Bibel hingegen ist sehr interpretationsfähig. Die Deutungen gehen weit auseinander. – Katholiken glauben zudem, dass das Leben der Kirche eine Überlieferung außerhalb der Bibel transportiert, die ebenfalls von Bedeutung ist. Auch deshalb reicht die Bibel allein nicht. Aufmerksame Leser werden schnell bemerken, dass sich Christentum und Kirche gar nicht voneinander trennen lässt. Wir wissen von Christus nur durch die Kirche. Auch die Bibel ist eine Hervorbringung der Kirche.
  • Christentum durchschauen: Gerade dann, wenn man dem Christentum gegenüber kritisch eingestellt ist, sollte man es kennen. Denn nur wer das Christentum kennt, weiß überhaupt, was alles auf das Christentum zurückgeht. Und nur dann kann man es auch kritisieren. Und sich Alternativen überlegen. Viele Kritiker des Christentums wissen gar nicht, wie viele Bestandteile unserer Kultur auf das Christentum zurückgehen. Sie nehmen viele christliche Dinge für selbstverständlich, die es gar nicht sind, und täuschen sich über die Welt, in der sie leben. Sie sollten einen Katechismus lesen.
  • Andere Religionen durchschauen: Natürlich ist es das Durchschauen und Verstehen anderer Religionen viel einfacher, wenn man erst einmal eine Religion etwas gründlicher durchschaut hat. Und das sollte natürlich zuerst die traditionelle Religion des eigenen Kulturkreises sein. Viele Menschen haben ein oberflächliches Verständnis von Christentum, das sie kurzerhand auf andere Religionen übertragen. Auf diese Weise geraten sie in beliebige Irrtümer über andere Religionen. Mit teils tragischen Konsequenzen. – Von den Islamverharmlosern ist das bekannt. Kaum jemand hat von Kultur und Religion so wenig Ahnung wie die Anhänger eines zügellosen Multikulti. Aber auch jene sind auf dem Holzweg, die sagen, sie hätten den Koran gelesen und wüssten jetzt ganz genau, was „der Islam“ lehrt. Der Koran ist jedoch ein extrem interpretationsbedürftiger Text. Im Koran stehen Aufforderungen zur Gastfreundschaft direkt neben Tötungsbefehlen. Und von Mohammed steht so gut wie nichts im Koran. Nichts wissen sie also! Sie haben schlicht das falsche Buch gelesen, wenn sie es überhaupt gelesen haben. Nicht der Koran, sondern die Deutung (!) des Korans durch die jeweilige Gruppierung ist entscheidend. Das arabische Wort für Katechismus ist übrigens Ilmihal. Islamhasser haben genauso wenig Ahnung von Religion und Kultur wie Islamverharmloser.
  • Einzelthemen: Die Zahl der Themen, zu denen heute Irrtümer kursieren, ist groß. Viele wissen z.B. nicht, dass die Bibel als ganzes als vom Heiligen Geist inspiriert gilt. Manche Christen meinen, sie bräuchten gewisse Texte der Bibel einfach nicht ernst nehmen, weil diese im Alten Testament stehen, oder in den Paulusbriefen. Das ist aber falsch. Auch diese gelten als Gottes Wort. – Ebenso falsch ist es, zu behaupten, die Bibel wäre von Menschen geschrieben, der Koran hingegen sei Gottes Wort. Denn natürlich gilt auch die Bibel als Gottes Wort. Inspiriert durch den Heiligen Geist, aufgeschrieben durch menschliche Schreiber nach deren begrenztem, menschlichen Verständnis. Kein Wort der Bibel kann gestrichen werden. Kein einziges! Religiöse Reformen kommen nicht dadurch zustande, dass man an Bibel oder Koran Streichungen vornimmt, sondern vor allem dadurch, dass man eine irrige Interpretation durch eine bessere Interpretation ersetzt. Mehr dazu unten. – Typisch katholische Themen wie die Heilige Wandlung (Transsubstantiation), die Heiligenverehrung, die Unmöglichkeit der Weihe von Frauen zu Priestern oder der Zölibat der Priester werden ebenfalls erklärt. Man würde sich wünschen, dass alle Journalisten, die über diese Themen schreiben, wenigstens einmal in ihrem Leben einen Katechismus gelesen hätten. Das würde uns 50% des Unsinns, der zur Katholischen Kirche geschrieben wird, ersparen. – Interessant auch, was die christliche Sittenlehre zur Rolle des Staates und der Autorität über andere Menschen zu sagen hat. Oder zum Wirtschaftsleben und zur Soziallehre. Ebenso die Lehre, wann Gewalt, Aufstand und Krieg legitim sind. Schließlich auch das Verhältnis von Glaube und Vernunft, von Kirche und Wissenschaft. Die Menge der Themen ist unerschöpflich.
  • Wie sieht eigentlich eine Gesamtweltanschauung aus? Ein Katechismus spannt – ganz unabhängig von den konkreten Glaubensinhalten – einen Rahmen auf, was alles für Fragen beantwortet werden müssen, um zu einer umfassenden Weltanschauung zu kommen. Auf diese Weise richtet ein Katechismus auch einen Maßstab für alle Kritiker des Christentums auf: Denn alle diese Fragen müssen eine alternative Antwort bekommen, wenn man die christliche Antwort ablehnt! Es ist wirklich eine Menge geistiger Arbeit, die geleistet werden muss, wenn man kein Christ mehr sein will. – In dieser Fülle von Fragen, die ein Katechismus behandelt, ist auch das hohe kulturelle Niveau beschlossen, das die westliche Welt erreicht hat. Man kann nicht einfach hinhüpfen und sagen: Ich glaube das alles jetzt nicht mehr, weg damit! Dieser „Wegwerf-Atheismus“ ist ja heute sehr beliebt. Aber er ist zugleich ein dramatischer Absturz des kulturellen Niveaus. Denn der Wegwerf-Atheismus schafft keine tragfähige Alternative. Er haust vielmehr in den Trümmern des untergehenden Christentums und zehrt unwissentlich von einer Substanz, die immer mehr schwindet. Der Wegwerf-Atheismus kann seiner Natur nach nur eine Übergangserscheinung sein. Entweder die Kultur verfällt tatsächlich, oder es kommt zu einem neuen Aufschwung, sei es mit dem alten Christentum, sei es mit einer anderen Weltanschauung, die ähnliches leistet (oder mit beidem zugleich auf einer gemeinsamen Grundlage?).

Leseempfehlung

Warum sollte es ein katholischer Katechismus sein? Ganz einfach deshalb, weil man hier auch heute noch wesentlich näher dran ist an dem, was Christentum war, ist und sein sollte, als irgendwo sonst. Die evangelische Kirche ist bekanntlich schon länger vom Zeitgeist zerfressen. Hier müsste man wohl bis in die 1950er Jahre zurückgehen, um einen brauchbaren Katechismus zu finden. Der ist dann aber nicht mehr für heutige Menschen geschrieben. – Und die Werke von Theologen? Diese können sehr hilfreich sein, aber sie leisten eines nicht: Sie sind nicht das autoritative Wort der Kirche, die sich vom Heiligen Geist geleitet sieht. Das findet man nur im Katechismus der Kirche. Nur der Katechismus „gilt“ sozusagen, nur der Katechismus bietet besiegelte Glaubenslehre.

Drei Werke seien empfohlen:

  • Zuerst der erste Band des „Katholischen Erwachsenenkatechismus“ der deutschen Katholischen Kirche, mit dem Untertitel „Das Glaubensbekenntnis der Kirche“. Der deutsche Katechismus zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr viel erklärt und eine Brücke zwischen der alten Überlieferung und der modernen Lebenswelt der Lesers zu schlagen versucht. Das wurde damals (1985) unter der Federführung von Walter Kasper auch noch sehr gut gemacht, ohne sich dem Zeitgeist anzupassen. Wenigstens dieses Buch sollte man gelesen haben. Es lohnt sich!
  • Als Schocktherapie könnte man dann den 1995 erschienenen zweiten Band des deutschen Katechismus lesen: „Leben aus dem Glauben“. Hier wird die Sittenlehre der Kirche dargelegt, doch leider ist dieser zweite Band bereits deutlich vom Zeitgeist angekränkelt. Der Leser wird den Unterschied zum ersten Band schnell bemerken und sich mit Grausen abwenden. Hier wimmelt es von ethischem Relativismus, und der Fokus liegt auf Umweltschutz und „sozialer Gerechtigkeit“. Gedanken wie Ordnung, Vernunft, Disziplin und Konsequenz sucht man in diesem Buch vergebens. Marktwirtschaft und Liberalität kommen kaum vor. Tapferkeit wird in diesem Buch ohne Umschweife mit „Zivilcourage“ im Sinne des linken Zeitgeistes übersetzt. Dass man auch tapfer gegen (!) den linken Zeitgeist sein könnte, oder z.B. auch tapfer als Polizist oder Soldat, kommt nicht vor. Zwischen 1985 und 1995 muss es in der deutschen Katholischen Kirche zu einem Sieg der Linken gekommen sein.
  • Sehr empfehlenswert ist die Lektüre des sogenannten „Weltkatechismus“ der katholischen Kirche, der unter der Federführung von Kardinal Ratzinger erarbeitet wurde und 1992 erschienen ist. Der offizielle Titel lautet „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK). Dieser deckt beide Teile ab, Glaubens- und Sittenlehre. Die Glaubenslehre wird hier etwas steifer und mit weniger Erklärungen abgehandelt. Es schadet aber nicht, dasselbe noch einmal in anderen Worten zu lesen. Vor allem aber findet man hier endlich auch die christliche Sittenlehre, die der zweite Band des deutschen Katechismus völlig versaubeutelt hat, in angenehm glaubwürdiger und authentischer Weise dargelegt.

Was fehlt: Entwicklung von Religion

Wer mitreden möchte in Sachen Kultur und Philosophie, in Sachen Literatur und Geschichte, in Sachen Geschichte und Politik, in Sachen Wissenschaft und Medizin, ja, überhaupt in allen (!) Dingen, die unsere westliche Kultur ausmachen, der hat mit der obigen Lektüre eine wichtige Grundlage gelegt.

Allerdings hat man damit noch nicht das ganze Bild. Mindestens eine Sache fehlt. Nämlich die Entwicklung des Christentums. Religionen sind keine statischen Gebilde, auch wenn deren heilige Bücher weitgehend unverändert bleiben. Religionen verändern und entwickeln sich. Teilweise in glaubwürdiger und legitimer Weise. Teilweise nicht. Dazu erfährt man in einem Katechismus recht wenig, weil der Katechismus immer nur die jeweils aktuelle Glaubens- und Sittenlehre enthält, die zum Zeitpunkt seiner Abfassung galt.

Tatsächlich leben Religionen zu einem guten Teil auch von der Suggestion, dass ihre Lehre schon immer so war und sich nicht verändert habe. Jedenfalls ist eine Veränderung der Lehre immer ein schmerzhafter Prozess. Denn eine Veränderung der Lehre bedeutet logischerweise, dass die zuvor geltende Lehre falsch war und man im Irrtum lebte. Dennoch muss ein gläubiger Mensch an solchen Veränderungen interessiert sein, wenn es sich um Korrekturen handelt. Glaubwürdige religiöse Reformen können nur in diesem Sinne stattfinden: Als Korrekturen weg von Irrtümern, hin zur Wahrheit, zur Realität. Niemals als beliebige Anpassungen an den Zeitgeist. Deshalb ist auch die historisch-kritische Erforschung der Urtexte und der Ursprünge von Religionen so wichtig: Weil diese Betrachtungsweise viele Möglichkeiten für glaubwürdige Korrekturen in der Interpretation eröffnet.

Das solche Reformen möglich sind, hat das Christentum in den letzten Jahrhunderten wiederholt bewiesen. Von der Reformation bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. – Ein Beispiel: Das christliche Sittengesetz wurde früher tatsächlich als ein Gesetz verstanden, an das man sich zu halten hatte. Das staatliche Gesetz christlicher Staaten versuchte, das christliche Sittengesetz in Paragraphen zu fassen. Heute hingegen wird die christliche Morallehre nur noch als Empfehlung begriffen, die sich der einzelne Gläubige nach eigener Gewissensentscheidung zu eigen machen sollte. Kein Polizist oder Richter, nicht einmal mehr ein Priester schnüffelt den Menschen hinterher, ob sie sich daran halten. Das staatliche Gesetz und die christliche Morallehre werden völlig getrennt voneinander gesehen. Auch wenn die christliche Morallehre sich im Kern nicht verändert hat, so hat sich doch die Perspektive auf sie völlig verändert.

Aber auch der Islam hat im Laufe seiner Geschichte wiederholt starke Wandlungen durchgemacht. Schon sehr früh wurde eine rationalistische Deutung des Koran entwickelt. – Man kann den Islam natürlich nicht dadurch reformieren, dass man irgendwelche Passagen in Koran und Hadith streicht. Man kann ja auch die antisemitischen Passagen im Neuen Testament oder die Gebote zur Tötung von Hexen im Alten Testament nicht einfach streichen. Man kann den Islam auch nicht dadurch reformieren, dass sich der Islam von Mohammed und seinen Taten distanziert. Aber man könnte den Islam dadurch reformieren, dass man historisch-kritisch glaubwürdig herausarbeitet, dass Mohammed gewisse Dinge, die ihm später fälschlicherweise zugeschrieben wurden (und deshalb auch nicht im Koran stehen), gar nicht getan hat. Zum Beispiel die Vertreibung und Abschlachtung von drei jüdischen Stämmen aus Medina. Es handelt sich um spätere Hinzuerfindungen, um die Juden aus der Umma herauszudrängen, ganz ähnlich wie die antisemitischen Passagen im Neuen Testament dazu dienten, die christlichen Gemeinden von den Juden abzugrenzen.

Nicht der Text also, wohl aber die Interpretation kann sich ändern. Und zwar nicht aus Beliebigkeit und Hokuspokus, sondern weil es tatsächlich gute Gründe dafür gibt. In diesem Sinne muss (!) sich die Interpretation sogar ändern. Denn der gläubige Mensch will ja in der Wahrheit, in der Realität leben. Alles andere wäre Traditionalismus, also ein Festhalten an traditionellen Vorstellungen, obwohl sie widerlegt sind. Das gibt es natürlich auch. In allen Religionen. Traditionalismus ist nicht mit einem sinnvollen Traditionsbewusstsein zu verwechseln, das valide Traditionen hochhalten möchte.

Alternative

Wer wissen möchte, wie es möglich sein sollte, eine Alternative zum Christentum zu entwickeln, wird in einem Katechismus ebenfalls vielfach fündig werden. Denn viele der christlichen Lehren gehen ganz oder in Teilen auf die vorchristliche Antike zurück. Hier stoßen wir auf den anderen, den zweiten Grundpfeiler der westlichen Kultur: Die antike Philosophie und Geistesgeschichte.

Vieles von dem, was das Christentum ausmacht, ist in diesem Sinne gar nicht wirklich christlich. Es ist uns nur in christlicher Gestalt überliefert worden. Schon die Texte des Neuen Testaments sind mit Anspielungen und Wendungen aus der griechischen Philosophie durchdrungen. Augustinus und seine Zeit haben viel Platonismus ins Christentum hineingetragen. Thomas von Aquin hat Aristoteles für das Christentum ausgewertet. Was einst ins Christentum eingepackt wurde, kann heute wieder ausgepackt und ohne die Verpackung gesehen und gelesen werden. Vielleicht sogar besser ohne als mit der Verpackung.

Wer also nach Alternativen sucht, der muss auf Griechenland und Rom zurückgreifen. Empfohlen sei vor allem die Lektüre von Platon, Aristoteles und Cicero.

Die deutsche Ausgabe des katholischen Weltkatechismus enthält einen in diesem Sinne bezeichnenden Fehler: In den umfangreichen Indizes am Ende des Werkes, die es so nur in der deutschen Ausgabe gibt, wird Cicero bei den „kirchlichen Schriftstellern“ aufgeführt. Ein amüsantes und vielsagendes Detail.

PS 01. Mai 2026: Cicero wird nicht nur in der deutschen Ausgabe, sondern in allen Ausgaben weltweit als „kirchlicher Schriftsteller“ geführt. Auch auf Latein unter den „Scriptores ecclesiastici“.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Gilles Marchand: Ein Mund ohne Mensch (2016)

Von der Heilsamkeit der kleinen Dinge und der Phantasie gegenüber einem Lebenstrauma

Der Roman handelt von einem sehr zurückgezogen lebenden Buchhalter Ende vierzig, der sich abends regelmäßig mit einigen Freunden in einem Café trifft. Er hat eine große Narbe vom Mund über den ganzen Hals, die er mit Schals sorgsam zu verbergen versucht. Niemand weiß, was es damit auf sich hat, niemand wagt zu fragen. Eines Tages wird ihm klar, dass er die Geschichte der Narbe erzählen sollte. Abend für Abend nähert er sich dem Kern der Geschichte an.

Der Roman überzeugt durch die einfühlsame Darstellung des zurückhaltenden, bescheidenen Innenlebens des Protagonisten und der Begegnung mit seinen Freunden. Die skurrile Phantasie seiner Geschichten, mit der der Alltag zu etwas besonderem verklärt wird, macht Freude. Am Ende kommt dann eine wuchtige Überraschung, und alle Fäden laufen zusammen.

Ein gutes Buch. Ein starkes Buch.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 14. Februar 2026)

Marc-Antoine Mathieu: 3 Sekunden (2011)

Faszinierend! Nicht das Bild bewegt sich, sondern der Betrachter!

Das Buch kommt einem am Anfang seltsam dünn vor, und man denkt: O wie mühsam. Aber dann saugt es einen hinein und man kann es nicht mehr weglegen, und es kommt noch eine Szene, und noch eine Szene, ….. wirklich eine faszinierende Idee: Eine starre Szene, durch die sich der Betrachter auf einem Lichtstrahl hindurchbewegt. Und es entfaltet sich ein regelrechter Krimi.

Gut, dass man die Sequenz dann auch noch einmal auf der Internetseite des Buches am Bildschirm durchgehen kann. Wirklich eine faszinierende Idee. Es hat Spaß gemacht.

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung 11. Juli 2018)

Homer: Ilias (um 700 v.Chr.)

Einmal sollte man die Ilias als ganzes gehört haben

Es lohnt sich unbedingt, die Ilias als ganzes zu lesen, besser aber zu hören! Jeder kennt die Ilias und weiß so ungefähr, worum es da geht. Aber die Ilias ist eben nicht die Geschichte von dem Trojanischen Krieg mit dem hölzernen Pferd am Ende, die außerhalb der Ilias überliefert ist.

Sondern die Ilias ist eine großartige und gewaltige Dichtung vor dem Hintergrund dieses Krieges, die am Anfang der abendländischen Geistesgeschichte steht, und voller tiefgründiger Gehalte ist:

  • Das Walten der Götter und des Schicksals,
  • der Mensch in seinem Streben und Scheitern,
  • Krieg und Kampf,
  • Volk und Herrschaft,
  • Liebe und Zorn,
  • Feindschaft und Vergebung,
  • usw. usf.

Es ist eine Dichtung, die eine in sich geschlossene und schlüssige Handlung hat, fast wie ein Theaterstück. Man muss das als ganzes kennen:

  • Wie die Götter die Handlung bestimmen,
  • wie die Menschen in diesem Rahmen agieren,
  • wie Achilleus sich versagt,
  • wie die Troer die Achäer immer ärger bedrängen,
  • dann die Wende durch Zeus,
  • schließlich das gegenseitige Erkennen der Feinde (Achilleus/Priamos) als Menschen,
  • usw.

Man sollte es am besten hören: Der beste Ausdruck für die Wirkung der Ilias ist vielleicht „Kopfkino“. Beim Hören ist man der Situation, wie die Ilias einst vorgetragen wurde, am nächsten: Ein Sänger trägt sie vor Publikum vor.

Die Dichtung ist so reichhaltig, dass sie bis heute fortwirkt, und in vielem drinsteckt, von dem man es nicht vermutete. Jeder sollte sich einen eigenen Eindruck verschaffen, jeder wird es wieder anders und neu entdecken!

Bewertung: 5 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 29. Juli 2012)

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