Schlagwort: 3 von 5 Sternen (Seite 1 von 4)

Jean-Pierre Luminet: Alexandria – Roman einer Bibliothek (2002)

Guter aber leider unausgearbeiteter Ansatz

Grundsätzlich ist die Idee grandios, die Gespräche und Verhandlungen rund um die angeblich endgültige Zerstörung der Bibliothek von Alexandria durch die islamischen Araber zum Anlass zu nehmen, die gesamte Geschichte der Bibliothek romanhaft Revue passieren zu lassen.

Doch der Ansatz wurde nicht richtig ausgearbeitet.

Die Romanhandlung bildet nur einen klapprigen Rahmen für nur teilweise gelungene Einzeldarstellungen, ohne dass wirklich ein eigenständiger Roman daraus würde. Zudem wird die Geschichte teilweise verfälscht, anstatt aus der Geschichte – wie sie wirklich war – das Entscheidende rauszuholen: Das wäre die Kunst gewesen! Hinzu kommt, dass diverse höchst gegenwärtige politische Absichten des Autors durchschimmern, die man besser entweder expliziter formuliert oder ganz weggelassen hätte. So z.B. ein unkluger Seitenhieb gegen Israel.

Ziemlich unklar ist auch, was der Autor mit der Darstellung der muslimischen Araber bezweckte. Auf der einen Seite ein finsterer Kalif, auf der anderen Seite ein aufgeschlossener General. Diese Darstellung ist weder historisch, noch ist sie hilfreich, um Muslimen und Nichtmuslimen eine Gelegenheit zu geben, zwischen einem guten Kern und schlechten Auswüchsen des Islam zu unterscheiden.

Es war leider nur teilweise eine vergnügliche Lektüre.
Außerdem mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaften,
Geisteswissenschaften kommen zu kurz. Mäßig.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 16. Februar 2015)

Paul Torday: Bordeaux – Ein Roman in vier Jahrgängen (2008)

Haltloser Mensch wird von nekrophilem Freund in den Untergang manipuliert

Das Buch „Bordeaux“ von Paul Torday handelt von Wilberforce, der bei Pflegeeltern unglücklich aufwuchs und bis Mitte Dreißig außer der Softwareentwicklung keinerlei Identität entwickelt hat. Er hat keine Religion oder Weltanschauung, hat nie über den Sinn des Lebens nachgedacht, liest keine Bücher, hat keine Freunde und keine Hobbies, keine Vorlieben bezüglich Essen oder Filmen, und auch keine politische Meinung.

Wilberforce gerät nun durch Zufall in einen Kreis von „Freunden“, die einer höheren gesellschaftlichen Schicht angehören: Der Adlige Ed und seine Verlobte, der pensionierte Offizier Eck, und der Weinkenner Francis Black, der letzte Erbe einer traditionsreichen Familie. Auch diese Menschen sind innerlich leer, folgen entleerten Traditionen, und frönen dem süßen Nichtstun bzw. der Jagd u.a. „gehobenen“ Vergnügungen ohne tieferen Sinn. Da Wilberforce nichts anderes kennt, lässt er sich willig mit diesen „Freunden“ ein.

Insbesondere Francis Black nimmt Wilberforce unter seine Fittiche, und führt ihn in die Geheimnisse der Weinkennerei ein. Leider ist Francis Black das, was man einen destruktiven oder nekrophilen Charakter nennt: Ein Charakter, der dem Untergang, der Selbstzerstörung und dem Tode zustrebt, und auch alles um sich herum in diesen Untergang mitnehmen möchte. Schon sein eigenes Leben hat Francis Black ruiniert, durch Spielschulden und seine Wein-Obsession, für die er das Vermögen seiner Familie durchgebracht hat. Er hat keine Frau und keinen Erben. Eine tiefere Ursache für den dunklen Charakter von Francis Black findet man in dessen Jugend: Seine Eltern verboten ihm die Ehe mit einer Frau von „niederem“ Stand, ein gemeinsames Kind wurde zur Adoption freigegeben. Vermutlich sieht Francis Black in dem Adoptivkind Wilberforce, der ebenfalls Francis heißt, sein eigenes Kind, doch es bleibt offen, ob Francis Wilberforce tatsächlich der Sohn von Francis Black ist.

Von Francis Black wird Wilberforce regelrecht dazu „programmiert“, seinerseits zum obsessiven Weinliebhaber zu werden und den Weinkeller – die „Gruft“ – von Francis Black nach dessen Tod zu übernehmen. Zu diesem Zweck verkauft Wilberforce seine erfolgreiche Softwarefirma unter Wert und stößt dabei auch seinen Geschäftspartner Andy vor den Kopf, der sein Freund hätte sein können. Kurz vor seinem Tod manipuliert Francis Black Wilberforce dazu, seinen Gefühlen für eine Frau nachzugeben: Catherine, die Verlobte von Ed. In diesem Fall nicht die schlechteste Manipulation, muss man sagen.

Im Laufe kurzer Zeit entwickelt sich Wilberforce aufgrund seiner obsessiven Weinliebhaberei zum Alkoholiker. Seine Ehefrau Catherine ruft ihn vergeblich zur Ordnung, und stirbt in einem Autounfall, den Wilberforce im Suff – mit Absicht? – provoziert hat. In seinen Halluzinationen erscheint immer wieder der von Verwesungsgeruch begleitete Francis Black, der ihn zu sich in den Tod ruft. Am Ende ist Wilberforce pleite und erliegt endgültig dem Suff. Die beinahe magische Beziehung von Francis Black zu Wilberforce bis über den Tod hinaus wird im Laufe des Buches immer wieder durch christliche Symbolik angezeigt, was dem Buch fast eine mystische Note gibt.

Was soll dieses Buch?

Im Grunde ist es banal: Ein innerlich haltloser Mensch gerät an falsche Freunde, denen er aufgrund seiner Haltlosigkeit erliegt. Das ist nicht gerade originell, aber vor allem ist es nicht wirklich interessant. Wahre und interessante Freundschaft entsteht z.B., wenn Menschen, die bereits eine Identität haben, bemerken, dass sie auf ähnlicher Wellenlänge ticken. We cannot meet face to face, until we have faces. Aber davon leider kein Gedanke in diesem Buch.

Das ganze Buch strahlt eine mehr oder weniger depressive Stimmung aus, die von der durchaus vorhandenen feinen Ironie des Stils nicht wettgemacht werden kann. Auch die Schilderung von Obsessionen und des fortschreitenden Verfalls eines Alkoholikers ist nichts neues.

Kurz: Kein Buch, was man gelesen haben muss. Man könnte höchstens sagen: Einmal im Leben sollte man vielleicht auch so etwas gelesen haben. Schaden tut’s nicht.

Einzelnes

Das Buch erzählt die Geschichte rückwärts statt vorwärts. Das führt immer wieder zu gewissen Aha-Effekten beim Leser. Allerdings führt es hin und wieder auch zu Verwirrung. Man erkennt auch nicht alle Bezüge, und müsste das Buch im Grunde zweimal lesen. Zudem hätte man dieselben Aha-Effekte auch beim Vorwärtserzählen erzielen können, wie man nach einigem Nachdenken herausfindet. Die Rückwärtserzählung ist also keineswegs so genial, wie sie zunächt erscheinen mag.

Das Buch endet aufgrund der Rückwärtserzählung genau an dem Punkt, an dem Wilberforce glaubt, durch seine neuen „Freunde“ die Freiheit und das wahre Leben entdeckt zu haben. Der Leser weiß an dieser Stelle natürlich bereits um die ganze tragische Entwicklung, die sich anschließen wird. Aber auch diesen Effekt hätte man durch durch Vorwärtserzählen erzielen können, z.B. durch eine zunächst rätselhafte, kurze Vorausblende am Anfang des Buches, und eine entsprechende Rückblende im Moment des Todes am Ende des Buches.

Catherine, die Verlobte des Adligen Ed und spätere Ehefrau von Wilberforce, will ebenso wie Wilberforce ausbrechen: Ausbrechen aus dem sinnlosen Leben der „gehobenen“ Gesellschaft, die ihr den Weg einer unglücklichen Ehe mit Ed klar vorgezeichnet hat. Doch auch sie kommt an den Falschen, nämlich an Wilberforce. Tragisch. Traurig. Depressiv. Sinnlos.

Die absolute Null-Identität von Wilberforce ist etwas unglaubwürdig. Aber nun gut. Menschen, die sich über Religion und Weltanschauung und den Sinn des Lebens noch nie Gedanken gemacht haben, gibt es in der Tat viele, und Haltlosigkeit und Manipulierbarkeit ist keine Seltenheit. Insofern lassen wir die Übertreibung der Null-Identität von Wilberforce als literarische Übertreibung gelten.

Ein Satz des Buches hat echte Freude gemacht, und dieser Satz wird in Erinnerung bleiben: „Drei Nager in dunklem Manchester-Hemd fressen delikat das Wensleydale-Fragment.“ Es ist ein sinnloser Merksatz aus dem Alkohol-Delirium von Wilberforce, aber die spontane Vorstellung von drei kuscheligen, putzigen Nagetieren, die – im Hemd! – pausbäckig und spitzbübisch grinsend ein wertvolles Papyrus-Fragment auffressen, ist einfach nur köstlich!

(Statt eines wertvollen Papyrus-Fragments ist hier aber wohl nur ein Bruchstück von Wensleydale-Käse gemeint. Im englischen Original ist der Satz übrigens nicht halb so gut: Dank an den Übersetzer!)

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 31. Mai 2018)

Tibor Rode: Das Mona-Lisa-Virus (2017)

Leider nur ein mittelmäßiger Thriller

Diesmal leider nur ein mittelmäßiger Thriller von Tibor Rode. Noch dazu mit kleinem esoterischem Einschlag. Nein, es ist nicht gerade schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Insofern dann eben doch eher schlecht.

Gut ist wieder die Grundidee: Diesmal walzt Tibor Rode das Thema Schönheit aus. Bei „Das Los“ hatte das Auswalzen eines Themas ziemlich gut funktioniert. Diesmal blieb das Thema jedoch flach und ungreifbar. Es war einfach zuwenig Theorie und Geschichte dahinter. Und zuwenig Verbindung der Geschichte mit der Gegenwart.

Es gibt sogar einen unlogischen Aspekt, den eine gute Recherche verhindert hätte: Die Schönheit der Mona Lisa soll ein Werk des Teufels sein. Nun ist aber nach antiker Tradition das Schöne zugleich auch das Gute. Es passt einfach nicht.

Gut war die Idee mit der Neuroästhetik. Aber es wurde vieles nicht ausgeführt. Weder, dass für die Herstellung der Mona Lisa Mädchen sterben mussten (ähnlich wie in „Das Parfüm“; nur angedeutet), noch dass die Bilder für Neuroästhetiker sprechen können (am Ende behält die Protagonistin es für sich, und es folgt nichts aus den Botschaften der Bilder für die Handlung).

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 06. Oktober 2018)

Sonia Rossi: Fucking Berlin – Studentin und Teilzeit-Hure (2008)

Klischeehaft und ohne Berlin-Bezug

Das Buch „Fucking Berlin“ von Sonia Rossi ist leider nur ein typisches Milieu-Buch, das die üblichen Klischees ableiert. Die arme Studentin aus behütetem Hause, das schrittweise Abrutschen in die Prostitution, das den Übergang von moralisch zu unmoralisch kaschiert, der liebe, aber naive Freund, das völlig irrationale Verlieben in einen kiffenden Strichjungen, was einem Mädchen aus gutem Hause wohl eher selten passieren dürfte, die Abtreibung, das eigene Kind, die üblichen Freier-Archetypen usw. usf.

Dieses Buch könnte von vorne bis hinten eine einzige Erfindung nach Vorgabe sein. Aber vielleicht ist die Wirklichkeit in diesem Milieu ja tatsächlich eine Ansammlung von Klischees. Das Leben kann manchmal sehr banal sein. In diesem Sinne wäre es dann doch gut, dass dieses Buch geschrieben wurde.

Wie auch immer: Man sollte durchaus einmal ein Buch dieser Art gelesen haben, aber dieses eine Buch reicht dann fürs Leben. Mit Berlin hat die Story übrigens nicht allzu viel zu tun.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Gelesen und rezensiert: Januar 2011.

Steve Berry: The Cotton Malone Series Vol. 1-14 (2006-2019)

Overall Rating: 3 of 5 Stars.

Vol. 01: The Templar Legacy (2006) – Grundsolide mit Längen

Eine grundsolide geschriebene Schatzjäger-Story rund um die Geheimnisse von Rennes-le-Chateau, die allerdings ihre Längen hat: Sowohl werden die Charaktere in viel zu vielen und zu langen Rückblenden erklärt, als auch das Geheimnis von Rennes-le-Chateau besser und zu oft wiederholt erläutert, als es dem Leser lieb sein kann. Negative Überraschungen gibt es nicht, da grundsolide gemacht, aber dafür gibt es auch wenig positive Überraschungen. Im Anhang eine gute und genaue Beschreibung, was zum allgemeinen „Geheimnis“ rund um Rennes-le-Chateau gehört und was der Autor hinzu erfunden hat. Vielleicht werden sich spätere Bände der Serie steigern? Wer das Genre mag, wird jedenfalls gut bedient, man macht mit diesem Buch nichts falsch. Das englische Hörbuch ist gut gelesen von Paul Michael.

Rating: 4 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 04 August 2012)

Vol. 02: The Alexandria Link (2007) – Wohlkonstruierte Wer-jagt-Wen-Story

Steve Berry hat mit dem Alexandria Link einen soliden und mehr als einmal sogar überraschenden Pageturner geschrieben. Zum einen werden die Handlungsfäden und die gegenseitigen Beeinflussungen der Personen so geschickt verflochten, dass die Story immer wieder eine überraschende Wendung nimmt. Zum anderen gelingt es Steve Berry, dem Leser eine Idee davon zu geben, wie die Überlieferungen von Bibel und anderen heiligen Schriften verfälscht worden sein könnten. Der stärkste Moment ist hier die Präsentation eines fiktiven Briefwechsels zwischen Augustinus und Hieronymus.

Damit sind wir auch beim Schwachpunkt: Die in diesem Buch behandelte Verfälschung des Bibeltextes ist ziemlich unhistorisch und wird nur von wenigen arabisch-freundlichen Wissenschaftlern geteilt. Es wäre besser gewesen, das Buch auf eine andere, inzwischen weithin akzeptierte Erfindung aufzubauen. Siehe dazu z.B. das Buch von Finkelstein und Silberman: „Keine Posaunen vor Jericho“. Der zweite Schwachpunkt ist, dass Israel ziemlich schlecht wegkommt gegenüber den Arabern. Der Autor kann zwar in dem angehängten Interview glaubwürdig versichern, dass er sich um Ausgleich bemüht hat, dennoch werden die guten Argumente Israels einem fiesen israelischen Agenten in den Mund gelegt, was kaum einen Leser zu Sympathie bringen dürfte. Für diese zwei Schwachpunkte 1 Stern Abzug.

Rating: 4 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 04 August 2012)

Vol. 03: The Venetian Betrayal (2007) – Fairly good Steve Berry

A fairly good Steve Berry / Cotton-Malone novel. The historical background is interesting (the location of Alexander the Great’s tomb) and the proposed solution is elegant and realistic. The idea of a middle Asian federation is also interesting and realistic. The topic of biological warfare and HIV is handled well in this novel. Nice especially the running gag with the Greek Fire machines. The new character Victor can appear again in following books. Well-done part of the series.

Rating: 4 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 18 September 2012)

Vol. 04: The Charlemagne Pursuit (2008) – Nice part of the Cotton Malone series

This part of the Cotton Malone series is considered to be one of the best, and rightly so: The plot is constructed well: Two sisters fighting against each other, two teams of investigators, one big bad influential guy with a crazy perfect killer and a female ally, one thrilling historical quest, and it’s all about the past death of Cotton Malone’s father in a sunken submarine and the purpose of his mission. What is less thrilling is that US President Dany Daniels is interfering too often, in reality this would not happen.

The historical background this time is not, as the title suggests, the early Middle Ages, but something totally different: The idea of a long-forgotten culture before all known cultures, from which all later cultures all over the globe allegedly got their initial kick-off: A developed town under the ice shield of Antarctica, called „Tartarus“. Unfortunately, such an early culture did never exist, and the plot of the book is thus partly unreasonable and supports pseudo-science. By the way: It is not meant to be „Atlantis“ which is explicitly considered to be a romantic reminiscence to the allegedly original „Tartarus“.

The author included the weird ideas of Germany’s National Socialists in the 1930s and 1940s who started expeditions in search for the roots of a „master race“. This historical aspect is even more interesting than this novel’s phantasy of an early Antarctic civilization. An epilogue makes clear what is fiction and what is fact.

Rating: 4 of 5 Stars.

Vol. 05: The Paris Vendetta (2009) – The wrath of Thorwaldsen creates a catastrophic fate

This time Steve Berry concentrates on Henryk Thorwaldsen and his revenge for the death of his son. Thorwaldsen found out who was the killer, but the Magellan Billet wants him, too, and alive. Cotton Malone stands between them and has to act as a friend against Thorwaldsen which escalates Thorwaldsen’s wrath to the extreme, with catastrophic consequences.

I enjoyed this book more than „The Charlemagne Pursuit“, it is much more realistic and the plot is really dramatic in the very sense. One important person has to die, another one comes newly into the story. The fight against the professional terrorist Peter Lion has James Bond qualities. One of the best Cotton Malone books, I would say.

What is strange is the notion that Muslims in France were allegedly repressed from taking part in the societal life and therefore tend to terrorism; no such repression exists, especially not in a laical country like France, rather it is the other way round that a certain part of the Muslims keeps distance to western rationality, freedom and the French way of life, although they are invited to take part; furthermore radical believers of all religions need no other reason for bombing than that someone is not submissive to their faith. All in all the book has a far too simple view on problems with Muslim immigration in Europe.

Rating: 5 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 02 December 2012)

Prequel to Vol. 06: The Balkan Escape (2010)

Keine Rezension vorhanden.

Vol. 06: The Emperor’s Tomb (2010) – Exciting and informative episode of the Cotton Malone series

The usual concept of the Cotton Malone series plays out at its best in this part. This time it is again Victor who has to act in a difficult role, changing sides again and again. But what is important in addition to the exciting story is the information on China, present and past. The still not excavated emperor’s tomb, the role of Eunuchs, the eternal debate of legalists and Confucianists, etc., gives the reader much to learn and to think about.

Rating: 5 of 5 Stars.

Vol. 07: The Jefferson Key (2011) – Not the best part of the series

This part of the Cotton Malone series did not convince: The mystery is not an ancient mystery but an alleged secret from the beginning of the US history. Furthermore, this secret seems to be a bit far-fetched: Letters of marque, lost but still valid, pirates still active, hm? Ok, not each part of the series can be perfect. The person in focus this time is Dany Daniels, the fictitious president of the United States – or is he? More his wife, I would say, or … her friend. Well, well, hm. And the British fort where the climax of the story happens, where the secret is found and the final battle is taking place: It is invented, only. It does not sum up to a round story. You can better, Steve Berry!

Rating: 3 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 21 July 2013)

Vol. 08: The King’s Deception (2013)

Keine Rezension vorhanden.

Vol. 09: The Lincoln Myth (2014) – Convincing part of the series

This time the main themes are the Latter Day Saints, Abraham Lincoln and the question of the legitimacy of secession of a state from the United States.

From Denmark over Salzburg/Austria to Demoins/Iowa and Salt Lake City/Utah the hunt for old and hidden documents and riddles goes through the constitutional history of the United States, and it is rewarding: We learn a lot of what happened and who decided which question, etc.

Very particular is the confrontation of Cotton Malone with Cassiopeia Vitt when he disturbs her while having a kind of rendezvous with an old resp. new lover in Salzburg, great : – )

The end is sad, but creates interest for more.

Rating: 5 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 20 July 2014)

Vol. 10: The Patriot Threat (2015)

Keine Rezension vorhanden.

Vol. 11: The 14th Colony (2016)

Keine Rezension vorhanden.

Vol. 12: The Lost Order (2017) – Not convincing part of the series

This time it is about the Smithsonian Institution in Washington DC, the Knights of the Golden Circle, the Civil War, another ancestor of Cotton Malone, and an alleged gap in the US constitution. The whole thing is rather constructed, not very nice, and tension is created over too long periods for unnecessary reasons until it is resolved, and it is always clear how the tension will be resolved.

Rating: 3 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 07 January 2020)

Vol. 13: The Bishop’s Pawn (2018) – Special episode: Martin Luther King Jr and Cotton Malone’s beginnings

This part of the Cotton Malone series shows Cotton Malone on his very first assignment for the Magellan Billet. Without preparation he is tossed into a dangerous treasure hunt with one murder after the other. Also he himself has to kill several times. At the beginning, it is the usual Cotton Malone novel: There is the treasure hunt, there are Cotton Malone’s troubles with his wife years before the divorce, and the information adds up very slowly, often too slowly, and there is too much action in relation to information.

But in the last third of the book it becomes clear that this novel is something special. It is not only the flashback to Cotton Malone’s beginnings and his first encounter with Stephanie Nell. It is more that this novel manages to create awareness and understanding for Martin Luther King Jr and his struggle in a very convincing way. The plot is well-designed and fits perfectly into real history: It is about the FBI and its director J. Edgar Hoover as bad guy behind the scenes of Martin Luther King’s assassination in Memphis 1968, and about the character and inner struggles of Martin Luther King, and the real meaning of his death. This is well done!

Small problem: The author sees the modern Black Live Matters movement (BLM) in the line of Martin Luther King. Nothing could be more wrong. BLM acts violently, has no respect for the heritage of the US, and implements an identity politics which re-defines social problems as racial problems. At least, Steve Berry does well to urge the reader to read Martin Luther King’s speeches again, especially „I have a dream“ and the Mountaintop speech. Also recommendable is the text „A tough mind and a tender heart“. The reader will quickly and easily see where the differences to BLM are, and will elevate his mind above today’s troubles by enjoying these timeless thoughts.

Rating: 5 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 05 January 2021)

Vol. 14: The Malta Exchange (2019) – Big theme given away for simplistic anti-Catholicism

It’s about a secret document by Constantine the Great and the famous First Christian Council of Nicaea in 325 AD. According to this novel, Constantine required the church in this document to add all those doctrines to the Christian faith which make the difference between the Catholic Church and the Protestant Churches. This sums up to a „black legend“ of the Catholic Faith: As if priesthood, the idea of original sin, the devil, the sacraments including Penance, etc., were all invented with political purpose only to keep the faithfuls subdued in superstition. Also the gospels allegedly were sorted out by this criterion. This message of the novel is also confirmed by the author himself in his discussion what he invented and what is real. He says that historians had allegedly found out this.

Of course, this is nonsense and not true and an abhorrently simplistic form of anti-Catholicism. The evolving of the doctrines of the Church (there was only one Church, then, no specific Catholic church) was driven by many motives, politics among them, but not only by politics and the evolving happened over a long time, and many doctrines are well-based in the beginnings. It is also nonsense, to assign these doctrines to the Catholic Church, but to forget the Eastern Orthodox Churches: They are built on the same basis, yet they look quite differently, and have also a quite different history of political abuse (not to speak of the history of political abuse of the later Protestant churches …).

It is furthermore not true that the difference between Catholic faith and Protestant faith is along the line drawn in this book. The author has no idea of theology! The author is even entangling himself in at least one obvious self-contradiction: On the one hand he says that the gospels were sorted out according to the political criterion. On the other hand he says that Martin Luther unwrapped the inventions by translating the gospels so that everybody could see that these doctrines do not occur in the gospels. (Which is not true either, many of these doctrines do appear in the gospels.)

Summary: The author wants to draw the attention of his readers to history, because history matters. This is true and an honourable purpose. Therefore I read this series. But the history presented should be correct. The relation of religion and politics is a big theme of history, but Steve Berry has given the theme away for simplistic anti-Catholicism.

The story itself is OK as mostly, one point for that.

Rating: 2 of 5 Stars.
(First publication on Amazon 31 December 2021)

Duden: Mit Goethe durch das Jahr 2026 – Goethe und das Klima (2025)

Interessanter Beitrag zu Goethe und der Wetterforschung – schlechtes Kalendarium

Der enthaltene Aufsatz „Goethe und das Klima“ von Prof. Bodo Plachta ist sehr interessant. Allerdings ist der Titel falsch gewählt: „Goethe und das Wetter“ wäre korrekter gewesen. Denn es geht um die Erforschung von Wolken und Wetter, also um Meteorologie, und weniger um Klimaforschung. Die Wahl des Titels ist wohl dem Modethema Klimawandel geschuldet.

Jedenfalls sehen wir einen Goethe, der mit Barometer und Thermometer hantiert und als Minister eine der ersten Wetterwarten einrichtet, die regelmäßig ihre Messergebnisse publiziert. Von Howards Klassifizierung der Wolken ist Goethe begeistert, seine eigenen Theorien bleiben jedoch im Vagen stecken, Goethe hat sie zu Lebzeiten nie veröffentlicht. Dazu gibt es eine Reihe von Zeichnungen Goethes sowie Hintergrund- und Kontextinformationen. Sehr schön.

Aufhänger ist übrigens das „Jahr ohne Sommer“, dessen Ursache der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien war. Goethe hat den wahren Grund für das Jahr ohne Sommer allerdings nie erfahren. Schließlich lesen wir, dass Mary Shelley, die das schlechte Wetter an den Genfer See vertrieben hatte, dort mit ihrem Freundeskreis auch Goethes Faust las. Daraufhin schrieb sie den berühmten Roman „Frankenstein“. Im Roman liest wiederum Frankenstein Goethes Werther. Später wird Mary Shelley Goethes Grab in Weimar besuchen. Man kann nun spekulieren, ob sich „Frankenstein“ vielleicht dem Homunculus aus Goethes Faust II verdankt?

Das Kalendarium ist eine Katastrophe. Lieblos werden verschiedenste Goethe-Zitate aneinandergereiht. Man erfährt aber nicht, woher sie stammen. Praktisch unbrauchbar.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Asterix Band 41: Asterix in Lusitanien (2025)

Ein unterdurchschnittlicher Asterix

Leider ist dieser Asterix-Band nicht gut gelungen. Er kommt über das Ableiern von nationalen Klischees und kurzen Gags nicht hinaus. Der Plot der Gesamtgeschichte ist ohne Geist. Es gibt kein durchgehendes Thema wie im Vorgängerband „Die weiße Iris“. Aus manchem kurzen Gag hätte man mehr machen können, doch es bleibt immer beim momentanen Auflachen, und dann kommt nichts mehr.

Natürlich wird die portugiesische Kultur auf die Schippe genommen. Aber doch eher im Sinne der Abarbeitung eines Pflichtenheftes. Jeder Aspekt kommt mal dran, aber es wird nichts daraus gemacht. Das Fröhlich-Traurige des Fado, Kabeljau und Kacheln, Garum, die Straßenbahnlinie 28, die Nelkenrevolution, die portugiesische Sprache mit der Tilde auf viele Worten, usw. Generell sehen die Lusitanier in diesem Heft alle etwas verkniffen aus.

Caesar versammelt die reichen Industriellen auf einem Schiff, das „Davos“ heißt. Was hätte man daraus nicht machen können! Doch es bleibt beim Namen als Gag. Einer der Eingeladenen heißt Elonmus in Anspielung auf Elon Musk. Aber auch dabei bleibt es, es wird nichts daraus gemacht.

Französische Wohnmobil-Touristen werden auf die Schippe genommen und dürfen sich über die Erhöhung des Rentenalters echauffieren. Das war’s dann aber auch.

Die deutschen Übersetzer haben einen Zenturio „Pistorius“ genannt, nach dem deutschen Verteidigungsminister. Einen tieferen Sinn gibt es dafür aber nicht.

Der Neger der Piraten spricht jetzt das „R“ richtig aus, offenbar als Maßnahme, um den Rassismus zu entschärfen, der in der Figur angelegt ist. Immerhin wird dieser Kniefall vor dem Wokismus mit „O Tempora o mores“ kommentiert. Die Figur bekommt auch lauter Sätze in den Mund gelegt, in denen besonders oft ein „R“ vorkommt. Wer nicht weiß, wie diese Figur früher gestaltet war, wird den Gag nicht verstehen.

Kurz: Das Heft bleibt weit hinter den Möglichkeiten eines guten Asterix zurück.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Ludwig Marcuse: Der Philosoph und der Diktator – Plato und Dionys (1947)

Ewige Wahrheiten von Macht und Geist – Verfehlt aber Platons Genialität

Der Philosoph Ludwig Marcuse (nicht zu verwechseln mit dem bekannteren Herbert Marcuse) zeichnet Schritt für Schritt die Ereignisse nach, die Platon in Syrakus auf Sizilien mit den beiden Tyrannen Dionysios I. bzw. II. zusammengeführt haben, und zeigt, wie Geist und Macht exemplarisch aneinander gerieten. Marcuse geht es dabei allerdings nicht um historische Genauigkeit und die Philosophie Platons, sondern Marcuse benutzt das Geschehen vor allem, um einige „ewige Wahrheiten“ aufzuzeigen. Das Ergebnis ist immer noch historisch erstaunlich genau, aber Platon und dessen Philosophie wird deutlich verfehlt.

Platon ist für Marcuse nur der exemplarische Vertreter eines allzu simplen utopischen Denkens. Er wird reduziert auf einen stubengelehrten Revolutionär, der durch persönlich erlittenes Unrecht und von Klassengegensätzen getrieben würde. Marcuse unterliegt dem Irrtum, Platon leichthin mit Karl Marx gleichsetzen zu können, weshalb er Platon auch den „ersten großen Marxisten“ nennt und als rücksichtslosen Diktator im Geiste sieht. Der Unterschied des platonischen Idealstaates zur naiven Utopie entgeht Marcuse, und das Umdenken Platons nach dem Scheitern des Experimentes wird bei Marcuse lediglich als Resignation und als Kontrollsucht aus Altersstarrsinn gedeutet, statt darin den wertvollen Gedanken der Abkehr vom naiven Idealismus zu erkennen. Am Ende begrüßt Marcuse sogar utopische Experimente, denn gerade sie hätten die Menschheit seiner Meinung nach vorangebracht – da fragt man sich, wieviel Marcuse bei all seiner trockenen Nüchternheit der Betrachung wirklich vom Geschehen verstanden hat?

Marcuses ungeniertes, praktisches, psychologisierendes Hinterfragen der allzu menschlichen Motivationen der Protagonisten liefert manchen wertvollen Hinweis auf das historische Geschehen, andererseits verwirrt Marcuse den Leser mit einem sprunghaften Stil, der vieles nur anreißt und Widersprüche unaufgelöst nebeneinander stehen lässt. Marcuse, der der „Lebensphilosophie“ zugerechnet wird, schreibt etwas sperrig und spröde, verdient aber gerade dafür eine gewisse Sympathie, weil er dadurch auch anregend und unkonventionell ist. Alles in allem eine einerseits interessante, anregende, teilweise erhellende und aufklärende Lektüre, die andererseits aber mit Vorsicht zu genießen ist.

Obwohl es gleich an mehreren Stellen des Büchleins äußerst nahe gelegen hätte, auf Platons Atlantiserzählung zu sprechen zu kommen, bleibt diese konsequent unerwähnt. Marcuse weiß sie offenbar nicht ins Geschehen einzuordnen, da er Platons Philosophie im Kern nicht verstanden hat. Immerhin hat Marcuse richtig erkannt, dass der eigentlich utopische Text Platons – sofern die Bezeichnung Utopie bei Platon überhaupt erlaubt ist – in Platons Politeia zu sehen ist.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 13. Oktober 2012)

Kai Meyer: Das Haus des Daedalus (2000)

Ärgerlich: Autor verschenkt großartigen Ansatz

Eigentlich hat das „Haus des Daedalus“ (auch: die „Vatikan-Verschwörung“) alles, was eine erstklassige historische Schnitzeljagd im Stile Dan Browns braucht: Geradezu genial der Einfall, dass die Carceri-Stiche von Piranesi keine Phantasiebilder sind, sondern eine verborgene Unterwelt zeigen, die es wirklich gibt. Selten war ein Historien-Thriller so gut und so glaubwürdig in der Historie verankert! Der Geheimbund der Bewacher des Zugangs zur Unterwelt und seine verschiedenen Charaktere ist ebenfalls glaubwürdig. Die Parallelhandlung der Kapuzinermönche war gelungen und kreuzt sich gut mit der Haupthandlung. Kai Meyer schafft es auch, eine Spannung aufzubauen, die sich immer weiter steigert. Er versteht es, mit der Erwartung des Lesers zu spielen, die bei jedem neuen Puzzleteil neu darüber nachdenkt, wie sich am Ende alles zusammenfügen könnte. So viele Hinweise werden gegeben: Die endlose Treppe in die Tiefe. Das Getrappel von Hufen. Verbrennungen. Fußspuren an der Decke. Licht lockt „es“ an. Ein mattes Leuchten aus der Tiefe. Dass auch ein wenig Esoterik mit hineinzuspielen scheint (schleichende Labyrinthisierung der Stadt Rom), stört ausnahmsweise überhaupt nicht, und auch das könnte immer noch eine natürliche Erklärung haben.

Doch dann … ist das Buch plötzlich zu Ende!

Die Protagonisten sind nicht in die Unterwelt hinabgestiegen! Sie haben es nur bis zum obersten Treppenabsatz geschafft. Ob es dort unten wirklich wie auf den Stichen von Piranesi aussieht, erfährt man überhaupt nicht! Ob der Stier tatsächlich ein Minotaurus ist, und wie er dort unten Jahrtausende überleben konnte, bleibt offen. Das feurige Flügelwesen und der „Geist“ grenzen dann wieder ans Esoterische, diesmal leider störend.

Kai Meyer hat hier einen grandiosen Ansatz verschenkt!

Selbstverständlich hätten die Protagonisten in die Unterwelt hinabsteigen müssen. Das, was Piranesi auf den Stichen gezeigt hatte, hätte in die Handlung einfließen müssen. Für den Stier hätte es eine plausible Erklärung geben müssen, z.B. dass es Daedalus gelang, eine Dampfmaschine zu konstruieren, die sich selbst am Laufen hält, und auf Licht und Geräusche reagiert. Auch das Flügelwesen hätte auf diese Weise zur Not gerade eben noch erklärt werden können. Wie üblich hätte es einen Showdown in der Unterwelt geben müssen, der durch einen Wissensvorsprung über Piranesis Stiche entschieden wird. Es hätte sich alles aufgelöst, und am Ende hätte man ja die Höhlen einstürzen lassen können.

Aber nichts davon. Es ist, wie wenn man gezwungen würde, eine spannendes Buch nach zwei Dritteln aus der Hand zu legen … – das Spiel mit Erwartungshaltungen macht noch kein gutes Buch: Wer Erwartungen weckt, muss sie auch befriedigen können. Es ist kein akzeptabler Stil, am Ende alles in der Schwebe zu lassen.

Ebenfalls störend waren zahlreiche Rückblenden zu Ereignissen in der Zeit vor der Romanhandlung. Man hatte am Anfang ständig das Gefühl, dass man den zweiten Band einer Serie liest, den man vielleicht nur dann richtig verstehen könnte, wenn man zuvor den ersten Band gelesen hat. Doch es gibt keine Serie und keinen Vorgängerband.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 23. Februar 2015)

Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland (1834)

Anregende und wirkmächtige Geistesgeschichte Deutschlands

Heinrich Heines „Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ von 1834/5 ist aus mehreren Gründen absolut lesenswert: Zum einen, weil es eine sehr persönliche Sicht auf den Verlauf der Geistesgeschichte in Deutschland bietet, die durch Ehrlichkeit, Individualität und Offenheit überzeugt. Hier geht es nicht darum, Objektivität vorzutäuschen, sondern hier sagt jemand seine Meinung, und der Leser ist zum Selberdenken aufgefordert. Auch dort, wo man die Darstellung für zu oberflächlich und einseitig hält, hat Heine doch immer einen guten Punkt getroffen. Heine hat hier einige Einsichten mit Worten geprägt, die fast zu Sprichworten geworden sind.

Zum anderen sollte man dieses Buch deshalb lesen, weil es von vielen gelesen wurde, und ein Bild der deutschen Geistesgeschichte erzeugt hat, das von vielen geteilt wird. Auch und gerade, weil es auch Fehler hat, sollte man um die Wirkmächtigkeit dieser Irrtümer wissen. Schließlich ist Heines Werk aber auch ein Zeitdokument, das einem die Augen öffnet, wie die Dinge in den damaligen Zeiten gelaufen sind – und wie sie wohl zu allen Zeiten laufen bzw. laufen könnten.

Für Heinrich Heine mündet die Reihe Kant, Fichte, Schelling, Hegel in Pantheismus, in „Naturphilosophie“. Im Pantheismus, in der Romantik, lebt auch das alte Germanentum wieder auf, während die Juden als „Schweizergarde des Deismus“ nicht in das pantheistische Bild passen. Heine weiß, dass in der Naturphilosophie auch Gefahren liegen: Das Wiederaufleben der „Berserkerwut“ des Germanentums aus „tausendjährigem Schlummer“. Man meint, eine Prophezeiung auf Marx und Hitler zu lesen.

Hier gibt es eigentlich keinen Grund für Optimismus und Fortschrittsglaube. Es ist unverständlich, wie Heine den Gang der Geistesgeschichte einschließlich ihrer Gefahren so beschreiben kann, aber dann relativ optimistisch dabei ist. Heine hätte hier die Frage nach einer besseren Alternative stellen müssen. Aber das tut er nicht. Heine scheint vielmehr im Ganzen recht einverstanden zu sein mit der „Naturphilosophie“. Die Gefahren scheint er nicht ernst zu nehmen.

In diesen Zusammenhang muss wohl auch die Aussage Heines eingeordnet werden, dass er das Christentum selbst dann noch erhalten wollte, wenn der Glaube geschwunden ist. Das ist eine sehr unphilosophische Aussage. Hier wird deutlich, dass Heine selbst kein ganz klarer Kopf ist. An anderer Stelle äußert er, wie ihm unwohl ist, wenn Kant Gott seziert; damit zeigt er eine unphilosophische Religiosität. Von diesem Punkt aus lassen sich Heines Irrtümer und Fehlurteile verstehen.

Hierher gehört wohl auch, dass Heine seinen eigenen Fortschrittsoptimismus ein wenig relativiert, ohne ihn im Kern zu hinterfragen. Man kann sicher sein, dass Heine vor ideologischem Handeln und Fanatismus zurückgeschreckt wäre. Aber Heine mäßigt seinen Optimismus nur, statt dass er ihn grundsätzlich hinterfragt. Auch hier wird die Gefahr von Heine gesehen, aber kleingeredet. Eine bessere Alternative zum naiven Fortschrittsoptimismus wird nicht gegeben. Heine ist ganz offenkundig fasziniert von dem Neuen und will daran nur das vermeintlich Gute sehen. Heinrich Heine ist einer der ersten, die die Greuel von Kommunismus und Nationalsozialismus vor lauter Faszination nicht sehen wollten – wenn auch nur auf einer theoretischen Ebene.

Die Aufgabe des modernen Lesers ist es, sich dieser Faszination Heinrich Heines zu entziehen, und bessere Alternativen zu suchen.

Interessant die Aussagen über das deutsche Wesen: Methodisch, gründlich, langsam, auch im Hass, und mit einer Wirkung aufgrund der Gedankentiefe, die die Welt erschüttern wird. Die Deutschen sind generell langsam, wenn sie aber einmal eine Bahn eingeschlagen haben, verfolgen sie diese bis zum Ende.

Ein Irrtum ist u.a. die Auffassung, dass es eines Luthers bedarf, um etwas zu bewegen, und dass ein Erasmus und Melanchthon es allein nicht geschafft hätten. Denn Heine selbst spricht später davon, dass Kant und seine Nachfolger eine Wirkung entfalten würden, gegen die die französische Revolution nichts sei.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 29. August 2014)

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