Schlagwort: Gossensprache

Akif Pirinçci: Deutschland von Sinnen – Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer (2014)

Ehrliche und untermauerte „Rede an die deutsche Nation“

Akif Pirincci (wie immer sich dieser Name ausspricht) hat eine flammende Rede und einen aufrichtigen Appell an die Deutschen geschrieben, der sich durch Klarheit ebenso wie Einfachheit auszeichnet, mit der er die Wahrheit auf eine zutiefst menschliche Weise ausspricht: Pirincci pflegt einen bodenständigen Realismus, der sich ein X nicht für ein U vormachen lässt, der sich einen Blick für das bewahrt hat, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben. Dabei wünscht Pirincci den Grünen Gutmenschen nicht einmal Strafe an den Hals, sie mögen einfach nur die Klappe halten und gehen. Und seine holzschnittartigen Thesen lassen explizit Raum für Andersartigkeit, nur dass Pirincci diese nicht für den Normalfall hält und das auch klar sagt.

Seine Sprache ist weniger eine Gossensprache, sondern vielmehr die Sprache, in der ein Mensch denkt, aber nicht spricht. Eine Sprache der deutlichen Worte, die aber nicht verletzend gemeint sind, sondern nur wahr.

Sehr gut hat Pirincci das Thema der Öffentlichen-Rechtlichen Medien aufgegriffen, das im Tugendterror-Buch von Sarrazin seltsamerweise unter den Tisch fiel. Beim Thema Islam schwächelt Pirincci ein wenig, denn die Möglichkeit eines aufgeklärten Islam analog zum heutigen Christentum blendet er komplett aus – kein großes Problem, da der aufgeklärte Islam noch im Embryo-Status ist. Seine Erlebnisse vor einem deutschen Gericht sind lesenswert. Seine Analyse der prekären Lage der deutschen Mittelschicht (das sind Du und Ich) rüttelt auf. Seine Einsichten in Wirkzusammenhänge der Wirklichkeit sind teilweise beeindruckend.

Dies ist kein dummes Buch. Was ich bei Sarrazin ebenfalls noch nicht gelesen hatte, ist der Umstand, dass die Zuwanderer überwiegend männlich sind, und deshalb das Geschlechterverhältnis in Deutschland auf der Kippe steht. Pirincci kritisiert meisterhaft die deutschen Journalisten und Intellektuellen: Sollten sie nicht hinter den Vorhang der Verhältnisse schauen, anstatt dabei zu helfen, den Vorhang über die Verhältnisse auszubreiten?

Pirinccis Vision ist kein negativer Reflex, sondern ein konstruktiver Appell: Deutsche Männer! Deutsche Frauen! Ihr seid etwas, seid Euch dessen bewusst! Es ist eine Rede an die deutsche Nation, wie in Zeiten des Vormärz. Es ist weniger ein Versuch, ausgefeilte Lösungen für alles anzubieten, als vielmehr ein Aufruf zum Perspektivwechsel! Unter diesem Gesichtspunkt sind dann auch alle Grobheiten und Einfachheiten verständlich und verlieren ihre Schärfe.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 10. August 2014; inzwischen dort verschwunden)

Nero Campanella: Wie ich unsterblich wurde (2023)

Fingerübung eines Schriftstellers

Die halb literarische, halb autobiographische Figur Brinus vom Schrock, 50, entstammt der saarländischen Bohème, in der er auch versumpft ist, mit Alkohol, Kumpels, allerlei Substanzen, Masturbation, Huren, viel Schmutz und Rotz und einer Menge ungesunden „Abenteuern“ zwischen Tresen und Toilette. Eines Tages bekommt er durch einen Ex-Kumpel, der es vom verkrachten Marxisten zum SPD-Funktionär geschafft hat, ein Künstlerstipendium für einen Aufenthalt auf dem brandenburgischen Schlossgut Wiepersdorf.

Das Schlossgut gibt es wirklich, und es dient tatsächlich als Refugium für Schriftsteller und Künstler aller Art, gesponsert vom Steuerzahler. Es hat eine gut gemache Webseite, auf der man es sich in aller Ausführlichkeit ansehen kann: Sehr schön!

Der Roman reflektiert autofiktional das eigene Tun: Der Schriftsteller erzählt also, wie er nach Schloss Wiepersdorf kommt, wo er mit allerlei seltsamen Künstlern zusammenlebt. Es stellt sich schnell heraus, dass keiner dieser Künstler wirklich etwas vorzuweisen hat, ganz wie Brinus vom Schrock selbst. Alle sind gescheitert, spießig und insgeheim spinnert, und alle singen das politisch korrekte Lied des „linksliberalen“ Zeitgeistes. Nur ausgerechnet eine Lesbe nicht. Und Brinus vom Schrock auch nicht, der sich dadurch schnell unmöglich macht. Der Stil des Buches ist respektlos und zynisch: Brinus vom Schrock hat zwar manchen Durchblick durch die Kulissen der Welt, der immer wieder erfrischend ist, doch zu einer konstruktiven Bewältigung reicht es nicht.

„Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Künstler, psychologisch gesehen, Streber mit schlechten Noten waren, die sich nur auf kreativen Umwegen den Autoritäten andienten, um ein paar Krümel Wichtigkeit von der Tafel der Geschichte aufzuschnappen, dann wäre er mit diesem Betroffenheitsgekusche um mich herum soeben geliefert worden.“ (S. 107)

Der Roman hechelt verschiedene Situationen und Themen durch: Die Saarbrücker Bohème, die brandenburgische Provinz, politische Korrektheit, peinliches Ertapptwerden, schmarotzende Künstler, politischer Filz, Spießertum, Sex, Drogen aller Art und ihre Folgen, Hegel, ein Traumkapitel, das Sterben eines Freundes (das stärkste Stück im ganzen Buch), die Begegnung mit einem Literaturagenten, die Frage nach der Glaubwürdigkeit eines religiösen Glaubens, das Verschwinden des belesenen Bildungsbürgertums, u.v.a.m.

Fazit

Alles in allem bietet das Buch eine Reihe von gelungenen und teils witzigen Stücken, doch es ist kein ganzes, es bleibt Essay. Am Ende bleiben Verlust, Peinlichkeiten und Scheitern eines wenig erfolgreichen Lebenskünstlers. Das allerdings wird literarisch gut aufbereitet. Es ist die Fingerübung eines Schriftstellers, nur die Generalprobe, nicht das eigentliche Werk.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.