
Etwas quälende Story mit geringem Ertrag an Spannung, Bildung, Aufklärung
Thomas Giffords „Assassini“ ist ein Vatikan-Thriller, der lange Zeit vor Dan Browns Illuminati erschien und deshalb auch nach ganz anderen Regeln funktioniert. Im Zentrum steht kein uraltes Geheimnis, das zu erforschen wäre, sondern eine Priester-Connection aus dem Zweiten Weltkrieg, deren alte Verbindungen und Rivalitäten Jahrzehnte später zu einer Serie von Morden führt. Die Assassini aus dem 16. Jahrhundert haben dafür kaum mehr als ihren Namen beigesteuert, ihre Einbeziehung in die Story wirkt sehr aufgesetzt.
Der Roman ist auch wesentlich langatmiger als man es von heutigen Romanen gewohnt ist, die Geschichte entwickelt sich eher gemächlich. Die Protagonisten hangeln sich auch kaum selbst von Hinweis zu Hinweis, sondern kommen eher durch Zufälle mit ihren Recherchen voran, oder durch lange Monologe von Zeitzeugen. Es nervt besonders, dass ein Kapitel oft genau in dem Moment abbricht, in dem ein weiteres Stück des Geheimnisses gelüftet wird, so dass der Leser für eine ganze Weile weniger weiß als die Protagonisten des Romans – auf diese Weise baut sich eher Ärger als Spannung auf.
Auch die Story selbst erscheint ein wenig gekünstelt und unwirklich: Dass der Vatikan im Zweiten Weltkrieg nichts besseres zu tun hatte, als sich mit den Nationalsozialisten die Beutekunst zu teilen, ist kaum glaubwürdig; auch das Schema von Papst Pius XII. als Nazi-Papst ist so nicht haltbar.
Der Roman hat nur eine einzige nützliche und aufklärerische Wirkung: Man sieht Priester, Nonnen, Kardinäle und einflussreiche gläubige Laien als ganz normale Menschen denken und handeln und realistisch unfromm sein, und verliert so – sofern man gläubig ist – ein Stück weit die falsche Ehrfurcht und das falsche Vertrauen, das Gläubige der Kirche und ihren Repräsentanten häufig entgegen bringen. Man lernt ein wenig zweifeln und fragen, auch wenn die Story selbst leider zu dick aufgetragen ist, um gläubige Menschen überzeugend ansprechen zu können.
Fazit
Eine etwas quälende Story mit wenig Ertrag an Spannung, Bildung und Aufklärung.
Bewertung: 2 von 5 Sternen.
(Erstveröffentlichung auf Amazon ca. 26. Juni 2011; heute dort verschwunden)