Interessant, aber dennoch völlig unbefriedigend

Irgendwie befriedigt dieses Buch nicht. Nicht, dass es nicht ordentlich recherchiert wäre. Manches ist auch interessant. Aber … zum einen schildert Roth viele einzelne Fälle, die jedoch keinen Zusammenhang haben; deshalb schon von einem „Clan“ zu sprechen halte ich für gewagt. Vieles hat man auch schon als aufmerksamer Zeitungsleser mitbekommen, Roth liefert da nur noch ein paar Zusatzdetails.

Aufgefallen ist mir, dass Roth Gewerkschaften, Verbände, NGOs, Kirchen, islamische Organisationen u.v.a. nicht zum „Clan“ zu rechnen scheint, sie kommen nicht vor. Etwas nervig ist, dass Roth offenbar politisch spürbar links steht: Notwendige Maßnahmen zum Umbau des Sozialstaates sieht er deshalb als Teil des „Clans“. Ebenso geht es mit notwendigen marktwirtschaftlichen Bereinigungsprozessen, die für die Betroffenen natürlich schmerzlich, für die Gesellschaft aber unumgänglich sind.

Völlig unbefriedigend ist, dass Roth immer nur Probleme darstellt, aber kaum eine Zeile darauf verwendet, was sich denn ändern müsste, damit die beschriebenen Probleme reduziert werden. Klagen ist immer einfacher als Vorschläge machen. Mich würde z.B. interessieren, welche Maßnahmen in Italien sich als wirksam gegen die Mafia herausgestellt haben.

Alles in allem entnehme ich dem Buch die wenig originelle These, dass die Moral der Gesellschaft insgesamt abgenommen hat. Dieses Phänomen, seine Ursachen, und was man dagegen tun könnte, hätte Roth viel intensiver beleuchten sollen.

Bewertung: 2 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 05. April 2009; dort inzwischen nicht mehr aufzufinden)