Guter aber leider unausgearbeiteter Ansatz

Grundsätzlich ist die Idee grandios, die Gespräche und Verhandlungen rund um die angeblich endgültige Zerstörung der Bibliothek von Alexandria durch die islamischen Araber zum Anlass zu nehmen, die gesamte Geschichte der Bibliothek romanhaft Revue passieren zu lassen.

Doch der Ansatz wurde nicht richtig ausgearbeitet.

Die Romanhandlung bildet nur einen klapprigen Rahmen für nur teilweise gelungene Einzeldarstellungen, ohne dass wirklich ein eigenständiger Roman daraus würde. Zudem wird die Geschichte teilweise verfälscht, anstatt aus der Geschichte – wie sie wirklich war – das Entscheidende rauszuholen: Das wäre die Kunst gewesen! Hinzu kommt, dass diverse höchst gegenwärtige politische Absichten des Autors durchschimmern, die man besser entweder expliziter formuliert oder ganz weggelassen hätte. So z.B. ein unkluger Seitenhieb gegen Israel.

Ziemlich unklar ist auch, was der Autor mit der Darstellung der muslimischen Araber bezweckte. Auf der einen Seite ein finsterer Kalif, auf der anderen Seite ein aufgeschlossener General. Diese Darstellung ist weder historisch, noch ist sie hilfreich, um Muslimen und Nichtmuslimen eine Gelegenheit zu geben, zwischen einem guten Kern und schlechten Auswüchsen des Islam zu unterscheiden.

Es war leider nur teilweise eine vergnügliche Lektüre.
Außerdem mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaften,
Geisteswissenschaften kommen zu kurz. Mäßig.

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 16. Februar 2015)