Historisierende Komödie um eine Frau als Vizekönigin Siziliens

Es gibt nur wenige historische Überlieferungen über Donna Eleonora di Mora, die als Frau des verstorbenen spanischen Vizekönigs Siziliens die Insel 27 Tage regieren durfte. Aus dieser Vergessenheit befreit Andrea Camilleri die historische Anekdote in diesem Buch. Wenn die Angaben in seinem Nachwort stimmen, hat er sich mehr an die historische Realität gehalten, als der Leser zunächst vermutet. Es ist natürlich trotzdem recht frei, und Camilleri hält in diesem Buch dem Machismo und der katholischen Kirche unserer Tage den Spiegel vor.

Die Geschichte ist relativ flach, die Charaktere einseitig: Hier die schöne und kluge Donna Eleonora, dort die gaunerhaften Männer bzw. die schwachen und dummen Männer. Nur an zwei Stellen erlaubt sich Camilleri, Donna Eleonora menschliche Züge abseits eines Klischees zu verleihen: In dem Moment, wo sie Rache als ihr Motiv nennt, und durch ihren Leibarzt korrigiert wird: Nein, ihre Güte sei es. Und durch ihre Neugier als Frau (interessant, dass die Abweichung vom Klischee der perfekten Frau durch ein anderes Klischee geschieht).

Die Geschichte ist ebenfalls sehr geradlinig und thematisch einseitig. Es geht um Zwangsprostitution und Kinderschänder, und dass die Gauner geschickt zur Strecke gebracht werden.

Aber es ist eine gelungene Komödie, die den Leser immer wieder zielsicher zum Schmunzeln bringt. Und als Komödie, als Theaterstück, und weniger als Roman, hätte dieses Stück sicher Erfolg. Als Roman jedoch ist es etwas flach geblieben. Deshalb keine volle Punktzahl.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

(Erstveröffentlichung auf Amazon am 05. November 2018)