
Parforce-Ritt durch die Mythenforschung
„Mythos“ von Robert A. Segal ist eine kleine Einführung in die Mythenforschung, d.h. in die Frage, wie die Wissenschaft seit dem 19. Jahrhundert den Mythos definiert und analysiert hat. Dabei unternimmt Segal einen wahren Parforce-Ritt durch die verschiedenen Ansätze, die Mythen unter den Gesichtspunkten Wissenschaft, Philosophie, Religion, Ritual, Literatur, Psychologie, Struktur und Gesellschaft zu deuten versuchen. Dabei orientiert er sich an den Hauptautoren für diese Gebiete. Jeder Ansatz wird immer wieder am gleichen Mythos, dem Adonis-Mythos, ausprobiert, um die Unterschiede in den Ansätzen zu zeigen.
Die Anordnung der Deutungsansätze ist leidlich chronologisch, dennoch tauchen die Namen mancher Forscher wiederholt auf, weil sie zum Mythos unter verschiedenen Gesichtspunkten etwas zu sagen hatten. Einige Tabellen am Ende des Buches, die die Zusammenhänge noch einmal übersichtlich (nach Zeit, nach Autor, nach Ansatz) zusammengefasst hätten, wären hilfreich gewesen. Alles in allem ein nützliches Büchlein, um schnell ins Thema einzusteigen und einen Überblick zu bekommen. Aber es schwirrt einem hinterher auch der Kopf, und man sehnt sich nach einem Buch, das mehr Ordnung hinein bringt.
Bewertung: 4 von 5 Sternen.
(Erstveröffentlichung auf Amazon am 22. Juli 2011)