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Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus – Was der Koran wirklich über Christentum, Gewalt und die Ziele des Djihad lehrt (2002)

Gutes Buch – Schlechtes Buch – Differenzierung

Das Buch von Mark A. Gabriel beschreibt den Islam in hervorragender Weise. So erscheint es jedenfalls zunächst. Von den Anfängen mit Mohammed, der ein blutrünstiger und mörderischer Kriegsherr war und befahl, die ganze Welt zu erobern. Von den zahllosen Versen im Koran, die zu Gewalt und Mord aufrufen. Vom Dschihad als Angriff und Unterwerfung. Von der Lehre der Abrogation, derzufolge „milde“ Verse durch spätere Gewaltverse überschrieben werden. Von der Tötung der Apostaten. Von der Unterdrückung der Frauen. Von der Sklaverei. Von der Lehre, dass Muslime lügen dürfen, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Es wird nichts ausgelassen.

Und ja: Diesen Islam, den Mark A. Gabriel hier beschreibt, den gibt es wirklich. Wir sehen ihn überall. Wir erleben ihn überall. Westliche Islamverbände versuchen, das Bild weich zu zeichnen, doch es ist offensichtlich, dass sie nur verschleiern wollen, was unter der Decke wirklich stattfindet. Es ist falsch, wenn unsere Politiker sagen, es sei nur der Islamismus, während „der Islam“ völlig harmlos sei. Nein, es ist nicht nur der Islamismus. Es ist auch der traditionelle Islam. Es ist auch der Traditionalismus, nicht nur der Islamismus.

Als Warnung vor einer echten Gefahr ist dies ein wirklich gutes Buch.

Warum ist es dennoch ein schlechtes Buch?

Ein Vergleich mag zeigen, warum dies ein schlechtes Buch ist. Stellen wir uns einen Beobachter des Christentums vor, der im Jahr 1500 beschreibt, was er sieht.

Er sieht eine totalitäre Weltkirche, vom Papst diktatorisch beherrscht. Diese Kirche rechtfertigt die Herrschaft von Königen und Adligen über die Menschen als gottgewollt. Bauern leben praktisch wie Sklaven unter ihren Herren. Frauen sind ihren Männern untertan und müssen ihr Haupt bedecken. Hexen und Ketzer werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Juden müssen in Ghettos leben. Hin und wieder kommt es zu einem Judenpogrom. Die arme Bevölkerung wird über den Ablasshandel weiter ausgepresst. Christliche Heere erobern blutig das neu entdeckte Amerika. Bei der Ausbreitung des Christentums wird nicht zimperlich vorgegangen. Große Teile der Indio-Bevölkerung kommen ums Leben, der klägliche Rest wird versklavt. Die Indio-Kultur wird ausgelöscht, denn sie gilt als gottlos. Reformer wie Jan Hus wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Einzelne Reformstimmen wie z.B. Erasmus von Rotterdam bleiben ungehört. Auch der Reformer Martin Luther wird bald für vogelfrei erklärt werden.

Wir sehen wahrlich kein gutes Bild des Christentums. Der Beobachter hat aber einen Punkt: Die Beschreibung ist nämlich nicht falsch. Alles das gab es im Jahr 1500 wirklich. Das Christentum war damals in keinem guten Zustand.

Wenn der fiktive Beobachter des Jahres 1500 jetzt sagen würde: Seht, so ist das Christentum! So war es immer. So wird es immer sein. Denn das steht ja auch alles in der Bibel: Der Papst, die Kirche, das Verhältnis zu den Juden, die Unterdrückung der Frauen, die Verbrennung der Hexen: Es steht alles im heiligen Buch der Christen und kann niemals geändert werden! Denn die Bibel ist Gottes Wort! – Wäre das ein gerechtes, ein faires, ein gutes Urteil über das Christentum? Die Antwort ist klar: Nein, das wäre es nicht.

Wo liegen die Denkfehler des fiktiven Beobachters?

Der Beobachter des Jahres 1500 hat völlig vergessen, dass das Christentum in den letzten 1500 Jahren auch ganz anders war als das Christentum, das er in seiner Gegenwart erlebt. Der Beobachter irrt, dass die Zustände des Jahres 1500 alle in der Bibel festgeschrieben stehen. Das war nur die Deutung (!) des Bibeltextes im Jahr 1500 durch die Kirche. Doch der Text der Bibel selbst sagt so etwas nicht unbedingt. Und nicht zuletzt unterschätzt der Beobachter die Reformer völlig.

Der Beobachter ist völlig der falschen Suggestion der Traditionalisten erlegen, dass das alles schon immer so war und immer so sein müsse. Diesen Irrtum nennt man Traditionalismus. Traditionalismus ist kein Konservativismus. Konservativismus kann auf der Grundlage der Vernunft auch neue Deutungen akzeptieren. Traditionalismus ist ein Festhalten und Festklammern an einer mittelalterlichen Vorstellung von Kirche und Religion gegen jede Vernunft.

Die Fehler des Mark A. Gabriel

Und genau diese Fehler begeht auch Mark A. Gabriel bei seiner Beschreibung des Islam. Es ist einfach falsch, dass alle diese Lehren im Koran festgeschrieben stehen würden. Der Koran ist ein höchst widersprüchliches Buch, in dem Gebote zu Barmherzigkeit und Gerechtigkeit und Gastfreundschaft direkt neben Tötungsbefehlen stehen. Viele angebliche Lehren des Koran stehen auch gar nicht im Koran, sondern in der Hadith-Literatur, die erst Jahrhunderte nach Mohammed aufgezeichnet wurde. Kann man diese Texte auch anders deuten als der aktuell vorherrschende Islam? Aber natürlich kann man das! Mark A. Gabriel ist der Suggestion der Traditionalisten erlegen.

Und die Lehren des Koran sind in der Vergangenheit tatsächlich auch vielfach anders gedeutet worden. Mark A. Gabriel unterschlägt völlig die lange und windungsreiche Geschichte des Islam und tut so, als wäre der Islam in 1400 Jahren völlig unverändert geblieben. Schon wieder ist er der Suggestion der Traditionalisten erlegen! Keine Religion bleibt über 1400 Jahre unverändert. Das sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen.

Bereits die Anfänge des Islam waren ganz anders, als die Traditionalisten es sich vorstellen. Die historisch-kritische Forschung zeichnet heute ein völlig anderes Bild der Anfänge des Islam als die traditionellen Überlieferungen, die erst Jahrhunderte nach Mohammed erstmals aufgezeichnet wurden. Mohammed war kein blutrünstiger Kriegsherr, und er wollte auch gewiss nicht die Welt erobern. Dann gab es auch eine Phase, in der sich der Islam auf der Grundlage der antiken Philosophie dem Rationalismus zuwandte (Mutazila) und höchst moderne Lehren vertrat. Dschihad wurde von manchen Gelehrten klar auf einen Verteidigungskrieg beschränkt, und zwar im Einklang mit der Kriegslehre Platons im Dialog Nomoi. Es ist derselbe Platon, der auch Grundlage der europäischen Kultur ist. Nicht zu vergessen die Reformbemühungen im Islam seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die mit viel Optimismus bis zum Ersten Weltkrieg vorangetrieben wurden. Erst die Reaktion auf die Eroberung der arabischen Welt durch Briten und Franzosen brachte die Reformbemühungen zu einem Ende, und es entstand der politische Islam, der Islamismus, wie wir ihn heute kennen. Seitdem wird der Islam von Traditionalisten und Islamisten beherrscht.

Mark A. Gabriel ist auch ungerecht, wenn er dem Islam das Christentum als bessere Religion gegenüberstellt. Manche sagen z.B., Jesus wäre friedliebend gewesen, so dass er auch die andere Wange hinhielt und lieber ans Kreuz ging. Ein solcher Religionsgründer ist jedoch genauso problematisch wie ein blutrünstiger Kriegsherr. Denn es ist das andere Extrem. Wer das Böse gewähren lässt, wird keine gerechte Gesellschaft errichten können. Aber kein christlicher Islamkritiker verschwendet einen Gedanken auf dieses ernste Problem.

Wer jetzt einwendet, dass Jesus und das Neue Testament gar nicht so friedliebend sind, wie viele meinen, hat vielleicht Recht, gibt aber damit gleichzeitig zu, dass vorherrschende Deutungen auch falsch sein können. Und natürlich entstehen mit einem nicht-friedlichen Jesus neue Probleme: Bis hin zur Rechtfertigung von Kreuzzügen, weil Jesus sagte, er bringe keinen Frieden, sondern das Schwert. Ja, so wurden die Kreuzzüge theologisch begründet, so falsch das auch gewesen sein mag: Das war die damals vorherrschende Deutung.

Wenn wir an die Emanzipation der Frau denken, dann ist diese in den christlichen Ländern noch keine 100 Jahre her, und die kirchliche Akzeptanz der Gleichberechtigung vielleicht erst 50 Jahre her, und das in 2000 Jahren Geschichte des Christentums. Auch die Sklaverei wurde von den Christen lange nicht abgeschafft, sondern erst um 1800. Da hat sich das Christentum aber sehr lange Zeit gelassen, seine guten Seiten zu zeigen, könnte man sagen!

In Wahrheit waren die Abläufe ja auch ganz anders: Es sind Humanismus und Aufklärung, die sich der Wiedergeburt der philosophischen Ideen der Antike verdanken, die ab 1500 zu greifen begannen. Christliche Humanisten und Aufklärer haben das Christentum zu Reformen gebracht, und zwar immer wieder gegen den Willen der Traditionalisten in der Kirche. So entstand schrittweise das menschenfreundliche Christentum, wie wir es heute kennen. Ein menschenfreundliches Christentum konnte glaubwürdig entstehen, weil die Anfänge des Christentums anders waren, als man um 1500 dachte. Also genau derselbe Vorgang, den auch der Islam in der Zeit der Mutazila und bei anderen Gelegenheiten erlebt hat und noch in Zukunft erleben könnte.

Was die aktuellen Reformbewegungen im Islam anbelangt, schweigt Mark A. Gabriel völlig. Das ist natürlich ein totales Versagen. Gewiss, diese Reformbewegungen ändern am schlechten Gesamtbild des aktuellen Islam erst einmal nicht viel. Aber es wäre ein großer Fehler, sie nicht im Auge zu behalten. In Marokko z.B. wurde die Lehre von der Tötung von Apostaten vom höchsten Fatwa-Rat abgeschafft. Und zwar mit einer historisch-kritischen Begründung: Die entsprechenden Aussagen im Koran beziehen sich nach Meinung des Fatwa-Rates auf eine Kriegssituation, und was an dieser Stelle mit dem Tod bestraft wird, ist nicht der Abfall vom Glauben, sondern der Hochverrat im Krieg. Eine logisch und historisch schlüssige Argumentation, die Schule machen könnte. Mit Argumenten dieser Art wurde auch das Christentum reformiert. Es wäre ganz falsch, solche Reformbewegungen einfach zu ignorieren. Hier kann sehr schnell aus etwas Kleinem etwas Großes werden.

Völlig verrückt ist auch der Lösungsvorschlag von Mark A. Gabriel: Die Muslime sollen zum Christentum bekehrt werden, meint er. Natürlich darf ein Christ Muslime bekehren wollen, aber wie realistisch ist es, das als große Lösung für das Problem zu verkaufen?! Es ist bestenfalls eine sehr, sehr kleine Teillösung.

Zusammenfassung

Mark A. Gabriel hat einen richtigen und wichtigen Punkt: Der Islam in seinem aktuellen Zustand, der von Traditionalisten und Islamisten beherrscht wird, ist eine echte Gefahr.

Es wäre aber ganz falsch zu sagen, dass „der Islam“ so sei, und dass Islamreformer praktisch ignoriert werden könnten, weil das nur Traumtänzer seien. Damit wirft man den Reformern Knüppel zwischen die Beine, schlägt allen gutwilligen Muslimen die Tür vor der Nase zu und treibt die Muslime in die Arme von Traditionalisten und Islamisten. Das ist selten dämlich.

Beim Islam muss natürlich zweigleisig vorgegangen werden: Einerseits muss man gegen Islamismus und Traditionalismus vorgehen. Andererseits muss man gutwilligen Muslimen die Möglichkeit eröffnen, einen reformierten Islam zu entwickeln. Eine pauschale Verurteilung des Islam verbietet sich deshalb genauso wie eine pauschale Verharmlosung des Islam. Was verurteilt werden muss sind Islamismus und Traditionalismus, nicht „der Islam“, auch wenn dieser aktuell von Islamismus und Traditionalismus beherrscht wird.

Bewertung: 2 von 5 Sternen.

Michael Sommer: Volkstribun – Die Verführung der Massen und der Untergang der Römischen Republik (2023)

Der Populist Clodius und der Einsatz organisierter, öffentlicher Gewalt am Ende der Römischen Republik

Das Buch „Volkstribun“ von Michael Sommer ist ein Leckerbissen für alle Fans des antiken Roms: Nicht nur Karriere und Schicksal des ruchlosen Clodius werden dem Leser vor Augen geführt, sondern auch das größere Bild der bekannten Abläufe drumherum, von Ciceros Aufstieg über Ciceros Verbannung bis zum Triumvirat und dem Aufstieg Caesars. Der Autor erklärt alles ausführlich und gut verständlich, was auch nötig ist, denn der Leser wird fortwährend mit den berühmt-berüchtigten termini technici bombardiert, die das komplexe Regelwerk der Römischen Republik bestimmten. Ob senatus consultum ultimum, interrex, ambitus, pietas oder mos maiorum: Wer’s mag, wird sich gut aufgehoben fühlen und kann unbeschwert Eintauchen in eine seit Schulzeiten wohlvertraute Welt. Ein Überblick über die wechselhafte Forschungsgeschichte zu Clodius, ein Register und eine Bibliographie runden das Buch ab, es ist wirklich ordentlich gemacht.

Clodius aus der altehrwürdigen gens Claudia war nicht der einzige, aber wohl der erfolgreichste „Populist“ im Alten Rom, der die Solidarität der Senatoren gegenüber dem Volk durchbrach und sich direkt beim Volk eine Machtbasis aufbaute (populariter agere). Dazu vollbrachte er eine organisatorische Glanzleistung, denn er musste über ein ausgeklügeltes Mikromanagement in die kleinteiligen Strukturen der römischen Gesellschaft hineinregieren. Überall hatte Clodius seine Leute, es muss ein riesiges Netzwerk gewesen sein. Clodius ließ sich zudem vom Patrizier zum Plebejer herunterstufen und auch sein Name wurde von Claudius zum volkstümlichen Clodius umgestylt.

Auf dieser Basis schaffte Clodius es, die bewährten Abläufe der republikanischen Staatsordnung immer wieder zu durchbrechen. Sei es durch die Störung von Abstimmungen, durch deren Verschiebung, oder auch durch die Einschüchterung von politischen Gegnern, die sich nicht mehr aus dem Haus trauten. Der Höhepunkt war zweifelsohne die Vertreibung von Cicero ins Exil – mithilfe eines ex post erlassenen Strafgesetzes – und die Zerstörung seines Hauses, an dessen Stelle Clodius ironischerweise einen Schrein der Göttin Libertas errichten ließ.

Ermöglicht wurde Clodius dieses Treiben auch dadurch, dass die römischen Senatoren sich nicht mehr so einig waren wie in früheren Zeiten, und sich immer heftiger gegenseitig bekämpften, so dass Clodius immer die eine Seite gegen die jeweils andere Seite ausspielen konnte. Außerdem versagten die Senatoren durch ihre Machtspiele immer häufiger in der Lösung von Problemen, was die Menschen in die Hände von Populisten wie Clodius trieb. Kurz: Die römischen Senatoren waren dekadent geworden und die Strukturen des alten Stadtstaates passten nicht mehr zu den Verhältnissen eines Weltreiches, in dem es um sehr viel Macht und sehr viel Geld ging.

Im besten Fall hätte das Treiben des Clodius zu einem Umbau der Republik hin zu einem demokratischeren System geführt, mit einem moderneren Verständnis von Libertas. Dafür war der Charakter des Clodius allerdings nicht geeignet. Er war wirklich Populist im negativen Sinne, d.h. er beutete die niederen Instinkte des Volkes aus Eigeninteresse aus, statt wirklich die Interessen des Volkes zu vertreten. Aus diesem Populismus erwuchs schließlich nicht die Freiheit, sondern die Tyrannei: Auch Julius Caesar übte sich im populariter agere und ersetzte schließlich die Republik durch eine Diktatur.

Heute ist Clodius weitgehend vergessen. Bekannt ist nur noch Caesar, natürlich aus Filmen und Comics. Schon Cicero dürfte nur noch jenen bekannt sein, die einmal Latein gelernt haben. In meiner Abiturprüfung zum Großen Latinum wurde ich nach dem Gegenspieler Ciceros gefragt. Ich antwortete vorsichtig: Caesar? Das war nicht falsch, gemeint war vom Prüfer aber Clodius, von dem ich bis zu dieser Prüfung nie etwas gehört hatte. Eine gute Note habe ich dann trotzdem bekommen. Gut, dass es jetzt dieses Buch gibt, mit dem ich meine damalige Wissenslücke gründlich schließen konnte!

Defizite

Zunächst einige Formalia: In den letzten Kapiteln des Buches überschlagen sich die Ereignisse so sehr, dass es dem Leser schwerfällt, die verschiedenen Drehungen und Wendungen der politischen Allianzen noch nachzuvollziehen. Manche Koalition erscheint überraschend und willkürlich. – Einige wenige Begriffe bleiben unerklärt, so z.B. Prodigien. Auch ambitus hätte vielleicht noch einmal erklärt werden müssen. – Im ganzen Buch finden sich nicht allzu viele, aber doch auffällig viele Rechtschreibfehler: Hier hätte der Verlag besser aufpassen müssen.

Die größte Kritik richtet sich aber gegen den Umstand, dass der Autor es scheute, Parallelen zu unserer Zeit zu ziehen. Dabei ist das doch eine der Hauptanwendungen antiker Geschichte: Dass wir unsere modernen Verhältnisse auf der Bühne der antiken Geschichte spiegeln, und so unsere modernen Probleme besser verstehen und vielleicht auch lösen können.

Moderne Parallelen zur organisierten öffentlichen Gewalt

Ergänzen wir also, was fehlt: Welche modernen Parallelen zu Clodius und seinen organisierten Volksmassen und Schlägerbanden lassen sich denken? Es geht um organisierte, sichtbare Gewalt von Gruppen im öffentlichen Raum. Es geht also nicht um Terror und Mord, wie er von RAF, NSU oder Islamisten verübt wird: Das ist eine völlig andere Kategorie von Gewalt.

  • Donald Trump und die Erstürmung des Kapitol am 06. Januar 2021. Richtig ist, dass hier organisierte Gruppen wie Proud Boys und Oath Keepers Gewalt gegen die Polizei anwendeten. Es ist allerdings falsch, dass Trump die Menge bei seiner Rede aufgepeitscht hätte. Die Erstürmer des Kapitols versammelten sich unabhängig von Trumps Versammlung direkt am Kapitol und begannen ihren Sturm, während Trump noch eine halbe Stunde redete und zu einem friedlichen Protest aufrief. Als dann einige Teilnehmer von Trumps Veranstaltung zum Kapitol herübergelaufen kamen, war der Durchbruch durch die Polizeikette schon geschehen. Ja, es war organisierte Gewalt, aber nein: Trump hat sie weder organisiert noch aufgestachelt. Außerdem hatten zuständige Demokraten „vergessen“, für genügend Polizei zu sorgen, obwohl genau bekannt war, wer an diesem Tag zum Kapitol kommen würde.
  • Die sogenannte „Antifa“. Dabei handelt es sich in der Tat um organisierte Gruppen, die in der Fläche des Landes präsent sind. Sie bedrängen teilweise Politiker, sprengen Versammlungen, schrecken Besucher von politischen Veranstaltungen ab, beschmieren die Häuser von Politikern, fackeln die Autos von Politikern ab usw. Geld fließt nicht selten vom Staat, etwa an „autonome Zentren“ oder für „autonome Projekte“.
  • Gewalt durch NGOs, sogenannte „Nichtregierungsorganisationen“. Diese werden meistens sehr wohl von der Regierung bezahlt. Oder von einflussreichen Milliardären. Einem physischen Gewaltbegriff nahe kommen sie als Klimaradikale der „Letzten Generation“ oder als angebliche „Seenotretter“, die illegale Migration unterstützen und dabei auch mal ein Polizeiboot über den Haufen fahren.
  • Islamistische öffentliche Gewalt, getragen von gewissen Gruppen und Moscheen, ist ebenfalls organisierte Gewalt. Dazu gehören auch pro-palästinensischen Proteste, die jüdische Studenten von der Universität und Juden generell aus dem öffentlichen Raum ausgrenzen. Nicht selten verbinden sich diese Gruppen mit linken Gruppen.

Es scheint, dass die politische Linke die Klaviatur der öffentlichen Gewalt derzeit wesentlich besser beherrscht und über wesentlich besser organisierte und finanzierte Strukturen verfügt, als die politische Rechte. Rechte organisierte Gewalt scheint sich auf manche Regionen in Ostdeutschland zu beschränken.

Hinzu kommt, dass die etablierten Medien die politische Linke decken. Dazu gehört, dass über die organisierte, öffentliche Gewalt von Links kaum gesprochen wird. Thematisiert wird vielmehr vor allem Gewalt von Rechts. Das geht so weit, dass offensichtlich falsche Statistiken, die die linke Gewalt klein- und die rechte Gewalt großreden, unhinterfragt zur veröffentlichten Meinung werden.

Drei Maßnahmen lassen sich in aller Kürze nennen, die zu einem Ende der politischen Gewalt führen würden:

  • Die Finanzierung ist trockenzulegen. Politik muss sich aus der Finanzierung von liebgewordenen Gruppen und Grüppchen gleich welcher Art auch immer grundsätzlich zurückziehen. Wer sich für das Klima und gegen Rechts engagieren will, kann dies gerne tun, aber bitte mit eigenem Geld und auf friedliche Weise.
  • Die Medien müssen fair berichten, dann wird politische Gewalt schnell unattraktiv für diejenigen, die sie organisieren und finanzieren. Dazu müssten die Medien neu geordnet werden.
  • Polizei und Staatsanwaltschaft müssen ohne Ansehen der Person konsequent durchgreifen. Dazu müsste wohl u.a. die Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaften in Deutschland abgeschafft werden.

Wie man sieht, hängt die Lösung ganz vom politischen Willen ab, Gewalt nicht zu einem Mittel der Politik zu machen. Ein solcher politischer Wille, eine solche Entschlossenheit gibt es derzeit offenbar nicht. Was am ehesten zur Wiedergewinnung eines solchen Willens führen könnte, ist der Aufbau alternativer Medien, die den Finger immer spürbarer in die Wunde legen und die Anwendung öffentlicher Gewalt auf diese Weise immer unattraktiver machen. Mit der Fairness des Mediensystems steht und fällt der gesamte demokratische Prozess in allen seinen Facetten, so auch hier.

Weitere Parallele: Populismus

Populismus im negativen Sinne gibt es heute ebenfalls, und zwar auf allen Seiten: Die etablierten Parteien gehen dem Volk um den Bart, indem sie über ihre Medienherrschaft Heile-Welt-Propaganda verbreiten, auch wenn alles den Bach heruntergeht, und indem sie Rentnern und Sozialhilfeempfängern Geldgeschenke machen. Gewisse Probleme werden verschwiegen, kleingeredet, relativiert oder mit primitivem Lösungsoptimismus überdeckt.

Mithilfe von Medien und NGOs wird außerdem „Astroturfing“ betrieben: Damit ist die Vortäuschung einer Bewegung „von unten“, aus dem Volk, gemeint, die in Wahrheit nicht wirklich „von unten“ kommt, sondern „von oben“, von Strippenziehern, organisiert wird, ganz wie bei Clodius im alten Rom. Häufig sind daran auch NGOs beteiligt. Beispiele sind Fridays for Future oder die Demonstrationen gegen die angebliche Wannsee-Konferenz 2.0 von Correctiv: Hier wird jeweils über Medien ein aufpeitschendes Angstnarrativ gestreut und zugleich der Protest von einschlägigen Gruppen vor Ort organisiert (Linksradikale, Kirchen, Ökos, Islamisten). Manche Normalbürger denken, es handele sich um eine „breite Bewegung“ und laufen naiv in solchen Demos mit.

Linksradikale und Rechtsradikale Parteien hingegen sprechen diese Probleme offen an, benutzen sie aber oft nur, um ganz andere Ziele zu verfolgen, mit denen die Bürger vom Regen in die Traufe kommen würden. Teilweise hat man den Eindruck, dass die etablierten Parteien und Medien eifrig daran mitwirken, dass sich in neuen Parteien radikale Kräfte durchsetzen, denn dann kann man diese leichter ausgrenzen. Deshalb gibt es in vielen europäischen Ländern inzwischen nicht mehr nur eine, sondern zwei Rechtsparteien: Eine populistisch-radikale, und eine liberal-konservative. Die Vernunft hat es schwer, in diesen Tagen.

Weitere Parallelen: Dekadenz und Weltreich

So wie die römischen Senatoren dekadent geworden waren, korrumpiert durch ständigen Machtbesitz und die neuen Möglichkeiten des Weltreiches, so sind unsere heutigen Eliten teilweise einfach zu lange an der Macht – teilweise sind sie aber auch globalistisch abgehoben und folgen linksradikalen Träumereien gegen die Interessen der Menschen vor Ort, deren nationale Verwurzelung nur noch als Störfaktor im Weltbetrieb gilt.

Und so, wie die Strukturen des alten römischen Stadtstaates nicht mehr zu den Verhältnissen eines Weltreiches passten, so sind heute viele internationale Strukturen aus der Zeit gefallen und dringend reformbedürftig: Sei es die UN, die von Antidemokraten und Antisemiten beherrscht wird, oder die EU, die von Multikulti-Fanatikern und Lobbyisten durchsetzt ist. Aber auch der Nationalstaat ist in seiner Funktion wieder neu zu entdecken, und das Verhältnis zwischen internationalen Organisationen und Nationalstaaten muss neu austariert werden.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.